Kurz & Knapp – KW 22/2013

Unter der Rubrik „Kurz & Knapp“ finden sich Hinweise und Links auf Meldungen und Webseiten, die mir nebenbei auffallen, aber auf die Schnelle keinen eigenen Blogeintrag hier erhalten. Sei es, weil mir die Zeit fehlt, sei es, weil sie am besten für sich selbst stehen oder das Thema Raumfahrt eher am Rande betreffen:

Wider den Knochenschwund: Milch trinken reicht nicht.

Astronaut Peggy A. Whitson beim Training auf der Raumstation, 2002. Quelle: NASA

Astronaut Peggy A. Whitson beim Training auf der Raumstation, 2002. Quelle: NASA, CC-by-SA 3.0

Ein Laie, der von Osteoporose a.k.a. Knochenschwund hört, denkt in den meisten Fällen automatisch an zwei Dinge:

Erstens an ältere Menschen. Diese sind in der Tat am häufigsten von Knochenschwund betroffen. Er betrifft jedoch auch Raumfahrer. Die Schwerelosigkeit im All führt dazu, dass die Knochen und auch Muskeln nur noch gering belastet werden. Dem Körper, der stets bestrebt ist, seinen Aufbau zu optimieren, wird so signalisiert, ein Teil der Masse würde nicht benötigt und könne abgebaut werden. Bei länger andauernden Missionen ist dies ein großes Problem (=> Video). Die Astronauten, die ja spätestens nach einigen Monaten ihr Leben auf der Erde weiterführen wollen, müssen oft mehrere Stunden am Tag an Geräten trainieren, um diesem Schwund entgegenzuwirken. Raumfahrtagenturen haben daher ein großes Interesse daran, weitere Möglichkeiten zu finden, den Knochen- und Muskelerhalt ihrer Astronauten zu optimieren.

Zweitens denkt man fast automatisch an Calcium. Von der Nahrungsmittelwerbung in Rundfunk & Print bis hin zu den Flyern beim Hausarzt wird uns immer wieder vermittelt, gerade dieses Element sei unabdingbar für die Knochenbildung und -erhaltung. Das entspricht auch der Wahrheit, denn zwei Drittel unserer Knochensubstanz bestehen in der Tat aus kristallinem Calciumsalz. Aber es ist eben nicht die ganze Wahrheit.

– Calcium alleine genügt nicht –

Denn Calcium alleine genügt nicht. Man könnte es sich pfundweise zuführen – solange andere Nährstoffe fehlen, kann der Körper nichts mit diesen Massen anfangen und scheidet sie wieder aus. (Man spricht dabei vom sog. Minimumgesetz.) Der Knochenaufbau wird nämlich unter anderem auch von der Vitamin-D- und der Proteinzufuhr beeinflusst. Vitamin D kann der Körper mit Hilfe von UV-Lampen an Bord der Raumschiffe und -stationen selbst herstellen. Proteine hingegen müssen über die Nahrung zugeführt werden. Sie werden für die Kreuzverbindungen der Kollagenmoleküle in den Knochen benötigt. Da sie in diesem Prozess irreversibel modifiziert werden, können sie während der kontinuierlichen Um- und Neustrukturierung des Knochenmaterials meist nicht vom Körper wiederverwendet werden. Sie werden abgebaut, ausgeschieden und sind dann für den Körper verloren. Folglich muss permanent Nachschub her.

Proteine sorgen darüber hinaus für eine bessere Aufnahme von Calcium durch den Verdauungstrakt sowie für ein optimiertes Level des Wachstumshormons IGF-1, welches seinerseits wiederum auch für Knochenwachstum- und Dichte verantwortlich ist. [1] Last but not least sind Proteine für den Muskelaufbau und -erhalt notwendig, der sich seinerseits wieder günstig auf den Knochenerhalt auswirkt.

Lamellenknochen mit Havers-Kanälen

Lamellenknochen mit Havers-Kanälen,
Department of Histology, Jagiellonian University Medical College, CC-by-SA 3.0

Eine regelmäßige und ausreichende Zufuhr von Protein ist also für den gesunden Erhalt des Skeletts essenziell, denn – dies kommt noch hinzu – veritabler Proteinmangel beeinträchtigt die Calciumaufnahme und verursacht somit indirekt einen Anstieg des Parathormons (Parathyrin, PTH). Dieses hat die Aufgabe, das Calciumlevel im Blut zu regulieren und veranlasst – wenn zu wenig Calcium zirkuliert – einen Abbau desselben aus den Knochen, um es in den Blutkreislauf zu überführen.

Ausreichende Zufuhr sollte aber keinesfalls durch simple Massenzufuhr sichergestellt werden. Ein Zuviel an Protein führt nämlich paradoxerweise unter Umständen zu erhöhter Calciumausscheidung über den Urin. [2][3] Das muss – je nachdem, wie der Betroffene sich sonst noch ernährt – zwar nicht unbedingt zu einem Verlust an Knochenmasse führen, kann aber Nierensteine verursachen.

– NASA-Projekt „Pro K“ –

Neben Calcium und Proteinen gibt es jedoch noch weitere Faktoren, die bei der Knochenbildung eine wichtige Rolle spielen. Einer von ihnen ist das Element Kalium, ein Alkalimetall, das auch bei der Nervenimpulsübertragung, der Muskeltätigkeit und der Regulierung des Säurehaushalts eine wichtige Rolle spielt. Ist der Säurehaushalt nicht im Gleichgewicht, kann es vereinfacht ausgedrückt geschehen, dass – wie beim oben beschriebenen PTH-Überschuss – Calcium aus den Knochen gelöst und in den Blutkreislauf überführt wird.

Kalium findet sich hauptsächlich in pflanzlichen Nahrungsmitteln. Forschungsergebnisse der letzten Jahre [4] haben ergeben, dass für die Vorbeugung gegen Osteoporose nicht nur die absolute Menge, sondern das Verhältnis von Proteinen zu Kalium in der Ernährung eine große Rolle spielt. In Zusammenarbeit mit dem Kölner Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, der Universities Space Research Association in Houston sowie dem ebenfalls dort ansässigen Johnson Space Center überprüft die NASA nun in eigenen Experimenten den Einfluss der Ratio Protein/Kalium auf den Knochenschwund bei Astronauten. [5] Im Factsheet zum Projekt „Pro K“ heißt es:

„The Dietary Intake Can Predict and Protect Against Changes in Bone Metabolism During Spaceflight and Recovery (Pro K) experiment tests the hypothesis that a diet with a decreased ratio of animal protein to potassium leads to decreased loss of bone mineral during flight. The specific goal for the study is to test this hypothesis by determining if the ratio of acid (animal protein) to base (potassium) precursors in the diet is correlated with bone metabolism and bone loss after space flight.

(…) If successful, the study could lead to improvements in bone health during space flight, with use of a countermeasure that requires no additional stowage, crew time, power, or other constrained resources.“ (Quelle: [5])

Die Ergebnisse dieser Experimente könnten nicht nur Raumfahrern helfen, Knochenschwund vorzubeugen, sondern z.B. auch bettlägerigen Patienten. Man erhofft sich des weiteren generelle Erkenntnisse zur Optimierung der Ernährung:

„Given the growing trend in the United States toward diets high in animal protein, the proposed research has direct public health significance.“ (Quelle: [5])

Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein, denn die Feinheiten dieser Analysen sind alleine vom medizinischen/biochemischen Blickwinkel aus schon sehr interessant. Ich persönlich habe allerdings den leisen Verdacht, dass sich die praktische Anwendung neben der Raumfahrt im medizinisch-pflegerischen Bereich erschöpfen wird. Dass neben Fleisch auch eine ausreichende Menge Gemüse und Milchprodukte auf dem Teller landen sollte, ist im Grunde hinlänglich bekannt – es halten sich nur längst nicht alle daran. Meine Wenigkeit eingeschlossen. ^^

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[1] Shoshana Yakar, Clifford J. Rosen et al.: „Circulating levels of IGF-1 directly regulate bone growth and density
[2] S. Margen, J.-Y. Chu, N. A. Kaufmann et al. „Studies in calcium metabolism. I. The calciuretic effect of dietary protein
[3] J.-Y. Chu, S Margen, F. M. Costa: „Studies in calcium metabolism. II. Effects of low calcium and variable protein intake on human calcium metabolism.
[4] Sara R Zwart, Alan R Hargens, and Scott M Smith: „The ratio of animal protein intake to potassium intake is a predictor of bone resorption in space flight analogues and in ambulatory subjects
[5] http://www.nasa.gov/mission_pages/station/research/experiments/721.html

Was tun gegen die Superbugs?

Was Astronauten mit ins All nehmen dürfen, ist normalerweise streng reglementiert und limitiert. Selbst ein krümelndes Sandwich kann schon unverhoffte Probleme verursachen. Ein noch viel größeres Problem stellen jedoch Dinge dar, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht und die eigentlich überhaupt niemand mitnehmen möchte: Kankheitserreger.

Clostridium difficile

Clostridium difficile, images.wellcome.ac.uk, 2009

Grippe, Herpes, Salmonellen & Co. sind schon unter irdischen Bedingungen nichts, was man seinem Nachbarn an den Hals wünschen würde. Im All können jedoch selbst diese vergleichsweise harmlosen Erreger ziemlich gefährlich werden. Mehrere Faktoren sind hierfür verantwortlich:

– Warum „Superbugs“? –

Erstens hat sich herausgestellt, dass längere Aufenthalte im All das Immunsystem der Astronauten schwächen. Stress, Strahlung und Schwerelosigkeit beeinträchtigen die Fähigkeit der Immunzellen, bestimmte Gene rechtzeitig zu aktivieren und so auf Viren, Bakterien, Pilze etc. zu reagieren. [1] [2] Obendrein verändert sich in der Schwerelosigkeit das Zytoskelett der Zellen. Sie verlieren somit an Motilität, können sich also nicht mehr aktiv fortbewegen, um die Pathogene aufzuspüren und zu vernichten. [3]

Dem gegenüber steht zweitens die Tatsache, dass viele Erreger (darunter übrigens auch Karies) unter Schwerelosigkeit noch virulenter werden als sie unter irdischen Bedingungen ohnehin schon sind. Im Fall von Salmonellose-Erregern konnten Forscher 2007 nachweisen, dass dies mit dem RNA-bindenden Protein Hfq zusammenhängt. [4] Hfq spielt sehr vereinfacht ausgedrückt den Vermittler zwischen kleiner RNA und Boten-RNA. Es reguliert so in vielen Bakterien die Genexpression unter Stressbedingungen. Darüber hinaus weisen Bakterien unter anhaltender Schwerelosigkeit dickere Zellwände auf, sind widerstandsfähiger gegen Bekämpfungsmittel, haben einen größeren Hang, einen Bakterienrasen zu bilden und weisen zudem eine längere Überlebenszeit in menschlichen Fresszellen auf. [5] Als ob das noch nicht genug sei, führt Schwerelosigkeit bei zahlreichen Bakterien überdies zu einer erhöhten Toleranz gegenüber veränderten Temperaturen, osmotischen Verhältnissen und pH-Werten. [6] Sie werden zu veritablen Super-Bakterien.

Drittens bringt es die Schwerelosigkeit mit sich, dass einmal vom Körper ausgestoßene Erreger nicht herabsinken wie auf der Erde. Stattdessen verbleiben sie schwebend mitten im Raum und werden durch das Belüftungssystem schnell in sämtlichen Modulen des Raumschiffs oder der Raumstation verteilt. Mit etwas Pech ist auch der Wasserkreislauf schnell betroffen. Die Ansteckung weiterer Besatzungsmitglieder ist somit buchstäblich vorprogrammiert.

Faktoren für Infektionsrisiken an Bord

Faktoren für Infektionsrisiken an Bord. Quelle: [5]

Was durch die relative Nähe zur Erde auf der MIR, der ISS etc. noch relativ gut in den Griff zu bekommen ist, wird auf länger dauernden Missionen zu weiter entfernten Zielen zunehmend riskant. Es gibt an Bord nicht nur weniger Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, sondern unter Umständen wird durch eine Infektion der Crew die gesamte Mission gefährdet. In der Vergangenheit traten unter 742 Crewmitgliedern auf 106 Flügen 29 ansteckende Infekte auf; alle Betroffenen hätte man aber notfalls innerhalb von ein paar Tagen aus dem All holen können. [5] Ein Flug zum Mars dauert allerdings mehrere Monate. Die verhältnismäßig rasche Versorgung mit sämtlichen irdischen Medikamenten oder gar ein Rücktransport der Betroffenen ist hier nicht mehr möglich.

– Was tun? –

Wenn Bekämpfung jedoch nur eingeschränkt möglich ist, erhält logischerweise die Prophylaxe einen großen Stellenwert. Man kann auf der einen Seite dafür Sorge tragen, dass von vornherein möglichst wenig Keime an Bord gelangen. Auf der anderen Seite muss man versuchen, die trotzdem vorhandenen bestmöglich in Schach zu halten.

Neben gründlichen Check-Ups, erweiterten Impfprogrammen und Quarantäne vor dem Flug (welche derzeit bereits praktiziert wird) spielt die mentale Vorbereitung der Astronauten eine große Rolle. Sie müssen mit den notwendigen rigiden Hygieneprogrammen nicht nur vertraut sein, sondern auch deren Sinn einsehen und sie langfristig befolgen. Verhaltensänderungen sind allerdings oft schwer zu erreichen bzw. durchzuhalten. Sie hängen unter anderem auch vom Aufwand der Maßnahmen ab, wie Verhaltensforscher Christoph Bördlein anhand diverser Studien hier darlegt. Wichtig ist also: Keep it simple! Im Fall einer tatsächlichen Infektion können je nach Ausmaß bzw. Notwendigkeit Maßnahmen vom Tragen einer Maske bis hin zur Isolierung des Erkrankten getroffen werden.

Auch das Vorbereiten und Anpassen der Raumfahrzeuge und -stationen selbst ist essenziell für die Infektionsvermeidung. Zum Beispiel sollten die Oberflächenmaterialien möglichst keimabweisend oder -tötend sein. Das gilt insbesondere für die Bereiche, die ständigen Berührungen ausgesetzt sind, wie Handgriffe, Tische, Instrumente, Toiletten und so weiter. Gleichzeitig darf das gewählte Material jedoch nicht giftig sein, muss eine lang anhaltende Wirkung aufweisen und gegen ein breites Spektrum von Keimen wirken, jedoch ohne zu viele Resistenzen zu provozieren. Belüftungs-/Klimaanlagen müssten so konzipiert sein, dass man im Notfall einzelne Segmente des Fahrzeugs bzw. der Station abkoppeln und separat betreiben kann, Wartung und Reinigung müssen ebenfalls stets unter höchstmöglichen Hygienestandards durchgeführt werden. (Als erste Richtschnur könnten hier beispielsweise die geltenden Vorschriften für Krankenhäuser, insbesondere deren Intensivmedizinbereiche, herangezogen werden.) Sämtliche Lebensmittel vorab zu bestrahlen, wäre ebenfalls eine Überlegung wert. Leider hätte dies jedoch auch Auswirkungen auf die Darmflora der Astronauten. Gelegentlicher Verzehr derart behandelter Lebensmittel ist nicht vergleichbar mit dauerhaftem und ausschließlichem Konsum. Hier muss also zunächst noch weiter geforscht werden, welche Vorgehensweise das größere Risiko bergen würde.

– Mögliche Nachteile der strengen Hygiene –

Bei allen Bemühungen um nahezu perfekte Hygiene an Bord stellt sich jedoch die Frage, welche Auswirkungen die langfristige Infektionsvermeidung auf die Astronauten haben könnte. In der Literatur finden sich Hinweise, dass nicht nur die Anzahl der Autoimmunerkrankungen steigen könnte [7], sondern auch die Gruppendynamik beeinflusst wird. [8] [9] Dies ist einleuchtend, denn es dürfte schwer fallen, wirklich „normal“ miteinander umzugehen, wenn man im Gegenüber permanent eine potenzielle Krankheitsquelle sieht. Ebensowenig tut man sich einen Gefallen, wenn man zwar akute Erkrankungen vermeiden kann, sich stattdessen aber bleibende zuzieht.

Die Risiken von Infektionen, strikter Hygiene und den jeweiligen Konsequenzen müssen also gut gegeneinander abgewogen werden. Derzeit befinden wir uns zum Teil noch im Bereich der Spekulation. Bis eine wirklich informierte Strategie für längere Aufenthalte im All möglich sein wird, ist offensichtlich noch einiges an Forschung und weiteren Erfahrungswerten erforderlich.

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[1] „The Human Immune System in Space„, American Society for Biochemistry and Molecular Biology (ASBMB), April 2013

[2] Millie Hughes-Fulford, Jim Boonyaratakanakornkit et al.: „„Spaceflight alters expression of microRNA during T cell activation“„, The Journal of Immunology, 2011, 186, 109.16

[3] http://www.esa.int/Our_Activities/Human_Spaceflight/Research/Goldfinger

[4] J. W. Wilsona, C. M. Ott et al.: „Space flight alters bacterial gene expression and virulence and reveals a role for global regulator Hfq„, PNAS October 9, 2007 vol. 104 no. 41 16299-16304, doi: 10.1073/pnas.0707155104

[5] Leonard A. Mermel, „Infection Prevention and Control During Prolonged Human Space Travel„, Clin Infect Dis. 2013 Jan;56(1):123-30. doi: 10.1093/cid/cis861. Epub 2012 Oct 9.

[6] Jason A. Rosenzweig, Ohunene Abogunde et al.: „Spaceflight and modeled microgravity effects on microbial growth and virulence„, Appl Microbiol Biotechnol. 2010 January; 85(4): 885–891. Published online 2009 October 22. doi: 10.1007/s00253-009-2237-8

[7] H. Okada, C. Kuhn, H. Feillet, J.-F. Bach: „The ‘hygiene hypothesis’ for autoimmune and allergic diseases: an update„, Clin Exp Immunol. 2010 April; 160(1): 1–9. doi: 10.1111/j.1365-2249.2010.04139.x

[8] Fefferman, N.H. and K.L. Ng.: „The Effects of Disease Avoidance Behavior on
Organizational Success in Social Populations.“ (In Vorbereitung)

[9] Megan Oaten, Richard J. Stevenson, Trevor I. Case: „Disease avoidance as a functional basis for stigmatization„, Published 31 October 2011 doi: 10.1098/rstb.2011.0095 Phil. Trans. R. Soc. B 12 December 2011 vol. 366 no. 1583 3433-3452

Major Tom

Der großartige Chris Hadfield mit seiner Interpretation von Bowies „Space Oddity“ (Major Tom) und ein paar wunderschönen Ausblicken von der ISS auf die Erde.

Hadfield wurde heute als Kommandant der ISS durch den russischen Kosmonauten Pavel Vinogradov abgelöst und wird am 13. Mai auf die Erde zurückkehren.

Danke, Commander – Ihre Bilder, Videos und Berichte waren spitze!

Leak-Alarm auf der ISS

Defekt an der ISS

Defekt an der ISS,
Quelle: NASA TV

Am 9. Mai 2013 entdeckte die Crew der ISS Flocken gefrorenen Ammoniaks an der Außenseite der Raumstation – oder zumindest hielt sie sie dafür. (=> Video) Dies legte die Vermutung nahe, dass ein Leck aufgetreten war, möglicherweise verursacht duch einen Splitter ähnlich demjenigen, der kurz zuvor ein Loch ins Sonnensegel der ISS geschlagen hatte.

Ammoniak wird im Kühlsystem der ISS (PVTCS bzw. „Photovoltaic Thermal Control System“ (PDF) genannt) zum Ableiten der Hitze von sämtlichen elektronischen Systemen benutzt. Der Defekt war zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich für die Crew, hätte aber mittelfristig dennoch zum Ausfall verschiedenster Systeme führen und somit die Besatzung gefährden können. Bereits 2007 hatte es an der selben Stelle schon einmal ein derartiges Problem gegeben, welches jedoch in einem Außeneinsatz behoben wurde. Zu einem ähnlichen Einsatz kam es nun erneut am 11. Mai 2013.

Chris Cassidy / Tom Marshburn

Chris Cassidy / Tom Marshburn, Quelle: NASA TV

Angeleitet von ihren Kollegen an Bord sowie vom Bodenpersonal in den USA verließen Chris Cassidy und Tom Marshburn die ISS und betrieben zunächst Ursachenforschung. Diese gestaltete sich zu Anfang etwas schwierig, da einerseits die Helmbeleuchtung von Chris Cassidys Raumanzug nicht korrekt funktionierte, andererseits aber auch auf Anhieb nichts Ungewöhnliches am System gefunden werden konnte. Während des fast fünfstündigen Einsatzes wurde das Kühlsystem an der Stelle des zuvor vermuteten Lecks daher lediglich zusätzlich abgesichert und stabilisiert sowie zu Analysezwecken fotografiert. Zum Einsatz kamen dabei, ähnlich wie bei einer minimalinvasiven Operation, Schläuche und Spiegel, um auch schlecht zugängliche Winkel gut einsehen zu können. Auch mit diesen Hilfsmitteln wurde jedoch kein Leck und keine Ammoniak-Kristalle gefunden.

Kühlsystems, 11. Mai 2013

Aufnahme des Außeneinsatzes. Foto: Chris Hadfield. Quelle: NASA TV

Commander Hadfield, ein Kollege von Chris Cassidy und Tom Marshburn, fotografierte seinerseits die beiden Astronauten bei ihrem Außeneinsatz aus seiner Perspektive im Inneren der ISS.

PTCS

PTCS, Quelle: NASA TV

Nach Abschluss der Analyse wurde ein Pumpen-Ersatzmodul ins Kühlsystem eingesetzt (siehe nebenstehender Screenshot). Dies war für den Fall, dass ein Leck lokalisiert werden könnte, ohnehin vorgesehen und wurde nun sicherheitshalber trotz Fehlens des Lecks auch durchgeführt.

Was sich hier relativ einfach liest und so spielerisch aussieht, ist tatsächlich Schwerstarbeit für die Astronauten. Helm und Handschuhe des Raumanzuges verursachten eingeschränkte Sicht und Feinmotorik, während die Männer gleichzeitig aufpassen mussten, dass Werkzeuge und Bauteile nicht versehentlich unwiederbringlich im All verschwanden.

Außenaufnahme

Außenansicht der Arbeiten, Quelle: NASA TV

Ähnliches gilt für die Astronauten selbst: Während des Livestreams der NASA konnte man mithören, wie jeder Schritt und jede Bewegung minutiös geplant und von Anleitungen und Warnungen begleitet wurde. Es besteht bei solchen sogenannten „Space Walks“ an einigen Stellen die Gefahr, dass die Astronauten ihre Raumanzüge an scharfen Kanten und Spitzen beschädigen oder an aufgeheizten Bauteilen verbrennen. Um ein Abdriften ins All zu verhindern, verbinden sich die Astronauten per Karabinerhaken mit den Bauteilen und werden bei derartigen Einsätzen zusätzlich mit einer „Rettungsleine“ an der ISS verankert.

So ärgerlich die nun verbleibende Unsicherheit bzgl. des vermuteten Ammoniak-Austritts auch sein mag, waren die Außenarbeiten am 11. Mai doch nicht ganz vergeblich. Hätte man nicht sichergestellt, dass zumindest jetzt kein Ammoniak mehr(?) austritt, so hätte die derzeit sechsköpfige Crew das Energiesystem der ISS noch am selben Tag abstellen müssen. Trotz der vorhandenen Reserven wäre ein solcher Zwischenfall für die Arbeiten in der Raumstation natürlich suboptimal und würde auch das ursprünglich für den 10. Mai geplante Treffen mit russischen Kosmonauten noch weiter verzögern.

Das nun generalüberholte Modul wird lt. Angaben der NASA natürlich weiterhin beobachtet.

Astronomie & Raumfahrt zum Mitmachen

Die relativ lange Pause hier im Blog hatte ihren Grund: Fünf Tage lang war ich in Berlin bzw. auf der re:publica, und dort auch in einem Vortrag über „Crowdsourced Astronomy“:

Astronomy has always benefitted from the input and careful observations of amateurs – think just of the number of comets discovered not by professionals – but the internet has changed that and made it possible for people to contribute to the science of astronomy with a computer and an internet connection. (Quelle => re:publica 2013)

Die Referentin Carolina Ödman-Govender (@carolune) stellte darin verschiedene Möglichkeiten und konkrete Projekte vor, bei denen der interessierte Otto-Normalverbraucher an der Auswertung astronomischer Daten mitarbeiten kann. Prominentestes und mit das älteste Beispiel einer solchen Vorgehensweise ist vermutlich SETI@Home, die Suche nach Signalen außerirdischen Lebens, seit nunmehr 14 Jahren im Netz.

Zugegeben, es geht in jenem Vortrag um Astronomie, nicht um Raumfahrt, den eigentlichen Schwerpunkt dieses Blogs. Jedoch ist Erstere die Grundlage für Letzteres. Wenn wir nicht erforschen, wie andere Himmelskörper entstanden und beschaffen sind, was sie bieten und welche Gefahren auf ihnen drohen, fehlt uns das nötige Wissen, um überhaupt zu ihnen reisen zu können. Daher ist der Nutzen von Astro-Crowdsourcing auch für die Raumfahrt nicht von der Hand zu weisen.

Wer möchte, kann sich den Vortrag in voller Länge hier ansehen:



Eine ganze Reihe von Crowdsourcing-Projekten und Wettbewerben werden übrigens auch auf der Webseite http://spacehack.org/ vorgestellt. Darunter befinden sich durchaus auch einige aus „Grenzgebieten“ zwischen Astronomie und Raumfahrt, wie zum Beispiel „Planet Four„, „PolAres“ oder die „Night Rover Challenge„.

Vielleicht findet ja der eine oder andere von euch dort ein Projekt, an dem er gerne mitwirken möchte. Viel Spaß!