Chang’e-3 – China auf dem Weg zum Mond

Hintergrund:

Seit Apollo 17 bzw. Luna 24 war niemand mehr dort, doch als dritte Nation der Welt nach den USA und Russland strebt nun mit der Sonde Chang’e-3* auch China eine Mondlandung an. Zwar unbemannt, aber immerhin die erste überhaupt seit 37 Jahren. Vorausgegangen waren ihr die Orbiter Chang’e-1 und Chang’e-2 im Oktober 2007 bzw. Oktober 2010, die den Mond umkreisten und von denen Chang’e 1* letztendlich geplant auf ihm aufschlug. Deren Messungen bereiteten den nun gestarteten dritten und vor allem spannendsten Teil der Mission vor. In diesem Blogeintrag möchte ich dessen Fortschritte (oder ggf. auch Misserfolge) gerne sukzessive dokumentieren.

Was genau wollen die Chinesen bzw. ihre Sonde aber auf dem Mond? Zum einen möchten sie seine Oberfläche kartographieren, und zwar in 3D. Das lässt auf die bisher genauesten Ergebnisse hoffen. Zum anderen wollen sie die Dichte des Bodens messen und ihn auf möglicherweise nutzbare Bestandteile untersuchen.

Hierfür wird der Rover „Yutu“, zu Deutsch „Jadehase“ **, Bodenproben entnehmen und außerdem die dortigen Umweltbedingungen wie z. B. Sonnenwind etc. genauer untersuchen. Für 2017 ist eine Rückkehrmission geplant, die die entnommenen Proben zurück zur Erde transportiert.

Yutu ist ein solargetriebenes Mini-Forschungslabor mit sechs Rädern, einer Maximalgeschwindigkeit von 200 m/h und der Fähigkeit, Steigungen von bis zu 30% zu bewältigen. Das Fahrzeug wiegt ca. 140 Kilogramm. Zu Yutus Messgeräten gehören unter anderem auch ein Infrarot-Teleskop und diverse Kameras. Die Forscher versprechen sich hiervon besonders klare Bilder diverser Himmelskörper, da der Mond keine Atmosphäre hat.

Chronologie:

01. Dezember 2013
Die (netto) 1,2 Tonnen schwere Sonde Chang’e-3 ist mit Hilfe einer Rakete vom Typ „ChangZheng 3B“ vom Weltraumbahnhof Xichang im Südwesten Chinas erfolgreich gestartet.

Die Trennung der Raketenstufen erfolgte ohne Zwischenfall. Chang’e-3 wird voraussichtlich ca. fünf Tage nach dem Start den Mond erreichen und nach insgesamt 14 Tagen auf ihm landen.

Update 04. Dezember 2013
Teile der abgesprengten Raketenstufen haben in China die Häuser zweier Landwirte beschädigt.

Update 06. Dezember 2013
Chang’e-3 ist um ca. 11:00 MEZ auf 100 km Höhe in die Mondumlaufbahn eingeschwenkt und kartographiert ab jetzt die Mondoberfläche. Die Landung erfolgt voraussichtlich am 14. Dezember 2013.

Update 14. Dezember 2013
Chang’e-3 ist bei 19.51° West, 44.12° Nord wie vorgesehen auf der Mondoberfläche gelandet:

Auch das Ausfahren der Solarpanele funktionierte einwandfrei. Einige Stunden später setzte die Sonde auf Anweisung aus Peking den Rover „Yutu“ auf der Oberfläche aus:

Update 12. Februar 2014

Der Rover steckt nach der langen Mondnacht in Schwierigkeiten.

—————-
* Benannt nach der chinesischen Mondgöttin
** Benannt nach dem Haustier der chinesischen Mondgöttin, einem weißen Hasen. Die Chinesische Raumfahrtbehörde CNSA hatte für die Namensfindung einen öffentlichen Aufruf gestartet und nach eigener Aussage über 53.000 Vorschläge erhalten.

(Wird fortgesetzt)

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8 Kommentare zu “Chang’e-3 – China auf dem Weg zum Mond

  1. Pingback: Live-Blog zum Start von Chang’e-3 und Yutu | Skyweek Zwei Punkt Null

  2. Ein paar kleine Berichtigungen:
    1. Die bisher letzte Sonde, die auf dem Mond gelandet ist, war Luna 24, im August 1976, mithin also vor 37 Jahren. Eine Sample-Return Mission und die letzte sowjetisch/russische Mondmission überhaupt.
    2. Chang’e 2 ist keineswegs auf dem Mond aufgeschlagen, sondern im interplanetaren Raum unterwegs, und hat vor fast exakt einem Jahr einen sehr interessanten Vorbeiflug am Asteroiden Toutatis durchgeführt.
    3. Und Chang’e 3 wiegt ungefähr 3,8 Tonnen. Erst wenn sie auf dem Mond gelandet ist, und dabei auch den letzten Tropfen Treibstoff verbraucht hat, wären es – irdische – 1,2 Tonnen.

  3. Sehr geehrter Herr Marquardt, ich bedanke mich für Ihre Kommentare, möchte Sie aber bitten, angesichts des Umfangs Ihrer Texte doch besser auf ein geeigneteres Medium auszuweichen. Evtl. böte sich da ein eigenes Blog an? Sie werden sicher verstehen, dass ich Ihre letzten beiden Kommentare nicht freigeschaltet lassen konnte. Die Länge sprengte leider komplett den Rahmen.

  4. @ scientificfingerfood Schauen wir mal. :-) Es gibt lt. chinesischer Nachrichtenquellen erste Anzeichen, dass sich da doch noch was tut. :-)

  5. Pingback: Yutu in Schwierigkeiten › Leaving Orbit › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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