Lunar (Kurzfilm)

Auf Twitter hatte ich es schon vor einer Weile gepostet, doch der Blogeintrag ging dann in der Eile des Alltags leider unter. Hier ist er nun:

„Lunar“ — ein Kurzfilm des Künstlers und Grafikdesigners Christian Stangl in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Wolfgang. Der Film vollzieht anhand zahlloser einzelner Fotos eine Mondlandung nach, ohne auf das eigentliche Filmmaterial von damals zurück zu greifen. Die Kompilation und Animation ist wirklich sehenswert.

(Ich empfehle, nach Möglichkeit auf Qualitätsstufe HD und Vollbildmodus umzustellen.)

Viele der Bilder sind natürlich aus den NASA-Archiven längst bekannt und frei abrufbar. Wer die schönsten davon aber in wirklich guter Qualität auch gerne als Buch hätte, dem möchte ich an dieser Stelle noch das 2016 erschienene „Apollo VII – XVII“ ans Herz legen. Nur mal so als Tipp nebenbei.

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Abenteuer Raumfahrt

Massenträgheit, Thermalkontrolle, Lageregelungssysteme, Aerodynamik… Das klingt alles erstmal nicht nach Spiel und Spaß für Kinder. Ist es aber! Diese Themembereiche – und noch einige mehr – sind nämlich in einem Experimentierkasten von Ravensburger vertreten, der mir neulich zufällig unter den Mauszeiger geriet: „Abenteuer Raumfahrt“
Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Credit: Ute Gerhardt, Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Credit: Ute Gerhardt, Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Mit einer „echten“ Rakete sogar, und empfohlen für Kinder ab 8 Jahren. OK, meine sind noch 10 bzw. gerade 12 Jahre alt, da bestand also Hoffnung, dass sie den Inhalt verstehen, sich aber noch nicht damit langweilen würden. Und überhaupt: Ich selber will ja schließlich auch meinen Spaß! Also ab in den Einkaufskorb mit dem Kasten, für das nächste verregnete Wochenende. Das ließ nicht lange auf sich warten, und schon saßen wir zu dritt um den Tisch und packten aus:
Inhalt des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Inhalt des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Inhalt des Experimentierkastens

Auf den ersten Blick wirkte der Inhalt etwas verwirrend, aber das ist ja bei den meisten Experimentierkästen so. Viele Teile sahen einander ähnlich, und auf den Gesichtern meiner Kinder machten sich die ersten Fragezeichen breit. Also beschlossen wir das, was man ja eigentlich sowieso tun sollte, mit Kindern aber nicht immer problemlos hinbekommt: Einfach die Anleitung* von vorne nach hinten schrittweise durchlesen, die nötigen Teile für jedes Experiment anhand der Bilder aus dem Bestand heraussuchen — und den Rest erst einmal ignorieren.
Themen des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Themen des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Themen des Experimentierkastens

Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Anleitung sehr schön aufgebaut ist. Der Hersteller wirft die Kinder nicht einfach mit dem ersten Experiment ins kalte Wasser, sondern erklärt eingangs grob umrissen die Grundlagen sowie ein kleines bisschen zur Raumfahrtgeschichte und baut dann die Experimente inhaltlich aufeinander auf. Trotzdem kann man sie – je nach Vorwissen der Kinder – auch einzeln auswählen und durchführen. Ein weiteres großes Plus des Kastens: Bei Berechnungen, wie zum Beispiel der Veränderung des eigenen Gewichts auf den diversen Planeten, werden nicht nur Tabellen präsentiert, sondern im Anhang auch die Rechenwege erklärt.

Zu jedem Versuch gibt es unter der Überschrift „Was steckt dahinter?“ gut verständliche Erläuterungen über den allgemeinen naturwissenschaftlichen Hintergrund des Experiments. Im Kästchen „Expertenwissen“ wird zusätzlich erklärt, welche Rolle speziell dieses aktuelle Experiment in der Raumfahrt spielt. Unter „Was meinst du?“ werden die Kinder angeleitet, sich auch selbst noch Gedanken zu machen. Zum Beispiel über die Frage, warum die meisten Raketen eine weiße Farbe haben. Oder ob der Mond die gleiche Anziehungskraft hätte wie die Erde, wenn er genauso groß wäre. Die Antworten auf diese Fragen finden sich ebenfalls im Anhang der Anleitung.

Bei einigen Versuchen (Aerodynamik, Thermalkontrolle) war meinen Lütten schon beim Überfliegen des Versuchsaufbaus klar, worauf die Autoren hinaus wollten, weil sie entsprechende Beobachtungen längst anderswo gemacht hatten. Also haben wir diese Experimente übersprungen bzw. für „irgendwann mal“ zurück gestellt.
Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Credit: Ute Gerhardt Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Credit: Ute Gerhardt Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Es sind allerdings durchaus auch Themen dabei, die für einen durchschnittlichen Achtjährigen ohne Vorkenntnisse vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen sind. Zum Beispiel die Flugbahnbestimmung hier rechts im Bild: Warum kann man ein Raumschiff eben nicht einfach zack! auf schnurgeradem Weg zu dem Planeten schicken, zu dem man will? Etwa von der Erde zum Mars? Mit etwas Unterstützung durch einen interessierten Erwachsenen wird aber auch das schnell klar, und am Ende hat man schönes Anschauungsmaterial, anhand dessen man das Gelernte immer wieder nachvollziehen kann.

Für manche der Versuche muss man auch raus aus dem Haus und sich sportlich betätigen. Zum Beispiel für die Bestimmung der Fluggeschwindigkeit:
Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Credit: Ute Gerhardt, Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Credit: Ute Gerhardt, Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Bei anderen wiederum, wie beim „Lageregelungssystem“, ist etwas Bastelei und Fingerfertigkeit gefragt:

Essig-Natron-Rakete

Credit: Saskia Gerhardt, Essig-Natron-Rakete

Credit: Saskia Gerhardt, Essig-Natron-Rakete

Das Highlight des Kastens ist aber natürlich die mit „Haushaltstreibstoff“ gestartete Rakete. Sie besteht aus einer 0,5 Liter PET-Flasche sowie diversem Zubehör aus dem Kasten und dem Küchenschrank. Hier sind auch schon mal vier Hände für den Zusammenbau erforderlich. Und ich hätte mir gewünscht, dass der Kasten genug Material enthielte, um ggf. auch zwei oder drei dieser Raketen bauen zu können. Denn wenn sie einmal geflogen bzw. wieder auf der Erde aufgeschlagen ist, sind die Leitflügel und der Haltering kaputt und für weitere Versuche nicht mehr zu gebrauchen. Das finde ich ziemlich schade.

Ein weiteres kleines Manko: Es wird leider nicht angegeben, welchen Säuregehalt der Essig haben sollte, den man zusammen mit Natron für den Treibstoff benötigt. Ich hatte nur Balsamico und Reisessig im Haus. Mit denen hat es nicht funktioniert. Mit dem nachträglich gekauften Standard-Apfelessig hingegen schon.

Unsere Rakete flog übrigens auch mit geeignetem Essig erst im zweiten Anlauf. Die Kinder hatten sich für den ersten Versuch ein großes Feld hinter unserem Haus ausgesucht. Dabei aber leider nicht bedacht, dass der Boden vom Regen aufgeweicht war. Der Treibstoff ließ also nicht die Rakete abheben, sondern schoss ein Loch in den Boden. Anschließend kippte die Rakete um und verteilte den Rest des Treibstoffs horizontal zum Feld. Das war zwar auch spektakulär, aber nicht so ganz im Sinne des Erfinders. Na immerhin: Wieder was gelernt. 😉

Der Experimentierkasten war zumindest für uns wirklich kurzweilig und lehrreich. Die Kinder waren zum Teil doch überrascht, wieviel Raumfahrt und Alltag miteinander zu tun haben. Viele Dinge aus dem Kasten kann man auch länger benutzen (Gewichts- und Geschwindigkeitstabellen) oder nach eigenem Interesse abwandeln, wie zum Beispiel den Bremsfallschirm. Manches ist eher für ältere Kinder gedacht, manches eher für jüngere. Alle Kinder werden aber auf mehreren Ebenen angesprochen: Lesen, sich bewegen, basteln, beobachten, und manchmal ist dabei auch Kooperation gefragt. Aus dieser Mischung ergaben sich bei uns auch interessante Unterhaltungen und Konstellationen, die über den Inhalt des Kastens weit hinaus gingen. Wir haben im Verlauf von zwei Nachmittagen so manches zusätzlich gegoogelt, kamen dadurch auf weitere Themen und hatten insgesamt ziemlich viel Spaß.

Fazit: Ich freue mich immer noch über diesen Zufallsfund. Wenn man ahnt, dass das betreffende Kind Interesse haben könnte, ist er ein prima Geschenk. Mit etwas Glück darf man sogar mitspielen.


* Kleiner Kritikpunkt: Die Tipp- und Das/Dass-Fehler in der Anleitung

Herbst von oben und von unten

IMG_1425_kleinDer schönste Planet unseres Sonnensystems ist meines Erachtens doch die Erde, und der Herbst mit seinen großartigen Naturfarben steht für mich den anderen Jahreszeiten an Schönheit in nichts nach.

Dass man den Farbwechsel des Laubes sogar aus 400 Kilometern Höhe noch erkennen kann, zeigt dieser Tweet des japanischen Astronauten @Astro_Kimiya vom 19. Oktober 2016. Seine Aufnahme, die, soviel ich herausfinden konnte, vom Oktober 2015 stammt, zeigt den Fortschritt der Laubfärbung auf den japanischen Inseln (Honshu, um genau zu sein), gesehen von der ISS. Im Norden ist bereits viel Rot zu erkennen, im Süden immerhin einiges in den höher gelegenen Gegenden.

Auch meinen Lesern wünsche ich einen wunderschönen bunten Herbst! Genießen Sie die Farben; in ein paar Wochen sind sie schon wieder weg.

Haben Sie ein Teleskop? Und ein bisschen Zeit?

Dann forschen Sie doch mit! Derzeit gibt es gleich zwei Möglichkeiten, sich aktiv in die Forschung auf dem Gebiet der Astronomie einzubringen. Die erste betrifft die ESA-Mission „Gaia“:

„Follow-up opportunity of a rare microlensing event: (…) In July and August 2016 the first microlensing events were detected. Microlensing happens when light rays from a distant star (we call this the source) are bent by the space-time curvature of an object (e.g. a star, a planet, or a black hole), lying exactly between the observer and the distant star. This hitherto unseen object is called the lens, and being closer to us, and moving faster across the sky, leads to a sometimes dramatic increase (and then decrease) in the brightness of the background source.
(…)
… the model predicts another sharp rise in brightness which is expected to happen in the first or second week of November 2016. We are currently waiting for the final predicted re-brightening, which will help solve the puzzle of the exact nature of the components of the binary system. Gaia16aye is the perfect example of the importance of ground-based follow-up of Gaia Alerts, carried out by professionals but also by amateur astronomers, which can make a huge scientific impact. Indeed, it would have been quite difficult to confirm Gaia16aye as a microlensing event without the extra follow-up, and certainly the binary nature of the lens, and constraints on the system components would be impossible.

Gaia16aye is reasonably bright (currently of about 13th mag in I and 14th mag in V), and hence is observable even by some smaller telescopes operated by schools and amateur astronomers. Please contact Lukasz Wyrzykowski if you would like to get involved and collect more data on this event, or if you already have and would like to share your data with us.“

Quelle: http://www.cosmos.esa.int/web/gaia/IoW_20161027

Die zweite Einladung zur „Citizen Science“ kommt von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA und betrifft deren Venus-Mission „Akatsuki“ im Zeitraum Oktober 2016 bis Januar 2017:

We are delighted to announce a new website devoted to the collaboration and coordination between JAXA’s AKATSUKI mission to Venus and planetary ground-based observers. Since its arrival to Venus in December 2015, the japanese orbiter AKATSUKI has been performing regular observations towards its main goal: characterizing the atmospheric circulation of Venus. (…) In the AKATSUKI team we are aware of the high quality of present Venus observations from both professional and amateur observers, and we would like to invite you all to register in our website and join our next campaigns of coordinated observations of Venus. Observers can contribute directly to the mission by sharing your own images, spectra and other derived products, thus having the chance to participate as co-authors in those papers where donated ground-based data is decided to have quality enough to be used along with AKATSUKI data. The website can be found here: https://akatsuki.matsue-ct.jp/
Useful information about the AKATSUKI observations day-to-day is found here: https://akatsuki.matsue-ct.jp/?q=node/20
Summary of wavelengths of interest to observe Venus: https://akatsuki.matsue-ct.jp/sites/default/files/info/Levels_Sensed_Wavelengths_SIMPLER.png
Instructions to donate images of Venus (temporal until system of uploading is ready): https://akatsuki.matsue-ct.jp/…/HOWTO_Submit_Venus_Images.pdf

Please, help us to distribute this information through other forums of ground-based observers, and do not hesitate to get in touch with us through our official mail addresses: coordinatewithakatsuki@gmail.com coordinate@akatsuki.matsue-ct.jp

Quelle: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1339379642763154&id=124515220920764

Viel Spaß, viel Erfolg und Clear Skies!

Die Sonde ist tot! Es lebe die Sonde!

Rosetta, die Kometensonde, ist vor einigen Tagen tatsächlich wie vorgesehen deaktiviert worden und auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko aufgeschlagen. Das Medienecho war wie zu erwarten beträchtlich, und auch in den sozialen Medien war die Anteilnahme groß. Ich muss gestehen, auch ich war fasziniert und ein wenig wehmütig. Als mir aber auf Twitter und Facebook mehrfach die Behauptung unterkam, Rosetta samt Philae sei – sinngemäß – der Welt liebste Kometensonde gewesen, wanderten meine Augenbrauen in die Höhe. Wie bitte?!

Ohne die großartigen Errungenschaften dieser Mission klein reden zu wollen, wurde mir klar, wie sehr doch das Bild, das die hiesige Öffentlichkeit von Raumfahrt hat, auf Europa, USA und maximal noch Russland beschränkt ist. In gewissem Ausmaß verständlich. Aber ich würde im Folgenden trotzdem gerne dazu beitragen, dies zu ändern:

Darf ich bekannt machen? => Hayabusa.

Hayabusa war eine ca. 500 Kilo schwere japanische Sonde, die im Mai 2003 zum Asteroiden Itokawa startete von dort sogar zurückkehrte. Und zwar mit Material des Asteroiden im Gepäck, trotz widrigster Umstände bzw. zahlreicher Fehlfunktionen. Klicken Sie ruhig auf den Link – dahinter steckt ein veritabler Raumfahrt-Thriller! Eine Sample-Return-Mission! Das hat seinerzeit durchaus ebenso Aufsehen erregt, mit vielen Fans, die die ganzen Jahre über mitgefiebert haben. *) Nur leider eher weniger außerhalb Asiens.

Hayabusa, deren Name zu Deutsch übrigens „Wanderfalke“ bedeutet, kam zu einem Zeitpunkt wieder zur Erde zurück, als Rosetta noch gar nicht ihr Ziel erreicht hatte. Nämlich im Juni 2010. Doch damit nicht genug: Schon im Dezember 2014, also kurz nach Rosettas Ankunft bei 67P, startete vom Tanegashima Space Center die Nachfolgemission, „Hayabusa 2“:

Hayabusa 2. Bild: JAXA
Hayabusa 2. Bild: JAXA

Ihr Ziel ist der Asteroid 162173 Ryugu („Drachenpalast“).
Ryugu – mit einem Durchmesser von fast einem Kilometer bald doppelt so groß wie seinerzeit Itokawa – ist unter anderem deshalb interessant für eine derartige Mission, weil er nach bisherigem Informationsstand stark kohlehaltig ist, gleichzeitig aber auch UV-Strahlung in Wellenlängenbereichen absorbiert, die bei derartigen Asteroiden normalerweise nicht bzw. weniger stark absorbiert werden. Das lässt auf Glimmer- und Ton-Anteile im Gestein schließen. Diese Mineralien wiederum enthalten stets Wasserstoff- und Sauerstoffanteile oder gar tatsächlich Wasser. Man erhofft sich also auch von dieser Mission Rückschlüsse auf den Ursprung des Universums und des Lebens darin.

Die Instrumente

Anders als ihre Vorgängerin wird sich Hayabusa 2 allerdings ab Juli 2018 nicht nur eine halbe Stunde, sondern anderthalb Jahre lang am bzw. auf dem Asteroiden aufhalten. Geplant ist, ihm Proben zu entnehmen und ihn mit Hilfe des „Near Infrared Spectrometer“ (NIRS3) und des „Thermal Infrared Imager“ (TIR) zu kartographieren. Der batteriegetriebene Haupt-Lander dieser zweiten Mission, MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout), ist so konzipiert, dass er sich auf dem Kometen fortbewegen kann. Ausgerüstet ist er auch mit Kamera bzw. Mikroskop, Strahlungsmesser und Magnetometer. Drei solargetriebene „MINERVA-II mini-landers“ sollen während des Aufenthalts u. a. Temperaturmessungen vornehmen. Auch sie können ihren Standort aktiv verändern.

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Hayabusa 2, MASCOT Lander sowie MINERVA-II mini landers. Credit: JAXA

Um auch an Gesteinsproben aus tieferen Schichten zu gelangen, wird Hayabusa einen Sprengsatz (Small Carry-on Impactor (SCI)) mit 4,5 Kilogramm Oktogen auf den Asteroiden fallen lassen. Der SCI wiederum verformt eine 2,5 Kilogramm schwere Kupferplatte zu einem Projektil, welches in die Oberfläche von Ryugu einschlägt und so frische, noch nicht durch Umwelteinflüsse manipulierte Gesteinsschichten in Zugriff bringt.

Obwohl man den Asteroiden schon relativ gut zu kennen glaubt, bin ich gespannt, ob auch diesmal Überraschungen auf die Forscher warten. Hayabusa 1 beispielsweise kam seinerzeit mitnichten an dem soliden Objekt an, das die Wissenschaftler erwartet hatten. Stattdessen stellte sich damals heraus, dass Itokawa im Grunde ein Haufen Geröll ist, dessen Einzelteile einander durch ihre Anziehungskraft zusammen halten. Rosetta ihrerseits lieferte die ebenfalls überraschende Erkenntnis, dass auch 67P/Churyumov-Gerasimenko überhaupt erst durch den Zusammenstoß zweier Gesteinsbrocken zu seiner bekannten Form gekommen war.

Interessanterweise ist auch Hayabusa 2 wieder mit einem Ionenantrieb ausgestattet. Bei Hayabusa 1 wurde dieser auf der Rückreise sehr in seiner Funktion eingeschränkt, nachdem eine Sonneneruption die Energieversorgung beeinträchtigt hatte und die Mission daraufhin (wieder einmal) fast scheiterte. Die JAXA hat ihre Antriebe diesmal allerdings verbessert bzw. besser geschützt.

Die Rückkehr der Sonde mit den Proben des Asteroiden ist für 2020 geplant. Eine detailliertere, grafische Darstellung des zeitlichen Ablaufs findet sich => hier oder im folgenden Video:

Sicher, beide Missionen, Hayabusa und Rosetta, sind bzw. waren in Technik und Zielen denkbar unterschiedlich. Sie hatten aber auch viele Gemeinsamkeiten. Und spätestens wenn man sich anschaut, dass zum Beispiel Hayabusas Lander MASCOT vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Kooperation mit dem französischen Centre national d’études spatiales gebaut wurde, wird doch klar, dass Raumfahrt im Grunde nicht Länder- sondern schlicht Menschenangelegenheit ist. Über alle Grenzen hinweg. Was für mich einschließt, dass ich auch als technisch Unbeteiligter mit „fremden“ Missionen mitbangen und mich freuen kann. Jede Mission, egal wer sie durchführt, geht uns alle an.

Ich hoffe sehr, dass auch Hayabusa in Zukunft bekannter wird, vielleicht auch in Europa so viel Begeisterung hervor ruft wie Rosetta. Oder wenigstens annäherungweise. Verdient hat sie es allemal.

*) Rund um die Geschichte von Hayabusa 1 wurden sogar mehrere Spielfilme gedreht:
http://asianwiki.com/Hayabusa_%28Japanese_Movie%29
http://asianwiki.com/Okaeri_Hayabusa
http://asianwiki.com/Hayabusa:_Harukanaru_Kikan
http://asianwiki.com/Hayabusa:_Back_to_the_Earth

————-
PS: Ein niedliches Comic-Alter-Ego wie Rosetta hat Hayabusa auch schon längst. Wie übrigens eine ganze Reihe von JAXA-Missionen. Auch da sind sie „uns“ voraus. Wenn man denn Comics mag. ;-)

Hayabusa 2, Cartoon. Credit: JAXA

Hayabusa 2, Cartoon. Credit: JAXA

Bürgerforum? Bei der ESA?

In der Tat. Denn Raumfahrt ist nicht nur für Ingenieure und Astronauten gedacht. Sie ist keine Spielerei für weltfremde Wissenschaftler. Sie ist mittlerweile für uns alle lebensnotwendig geworden. Aktuell beeinflussen Satelliten unseren Alltag von der Wetter- und Katastrophenvorhersage über die Navigation bis hin zu Telekommunikation, Umweltbeobachtung/-schutz und vielem mehr. Experimente auf der ISS erweitern unser Wissen in Medizin, Materialwissenschaft und einer ganzen Reihe anderer Bereiche. Teleskope wie Hubble und Missionen wie Rosetta liefern neue Erkenntnisse über die Entstehung und den Aufbau des Alls, und somit auch über unseren eigenen Ursprung und unsere Zukunft. Raumfahrt betrifft uns alle in fast allen Belangen – und wir alle können aktiv dazu beitragen:

Die ESA lädt dieses Jahr europaweit ca. 2.000 Bürger ein, um von uns zu erfahren, wie wir uns die Raumfahrt der Zukunft vorstellen. Welche Prioritäten möchten wir setzen? Welche Projekte fänden wir besonders spannend? All das und noch mehr soll am 10. September 2016 an diversen Standorten der ESA-Mitgliedsländer in einer ganztägigen Veranstaltung erarbeitet werden. In Deutschland zum Beispiel ist dies für Darmstadt geplant, in Österreich für Wien.

Ihre Teilnahme wird:

  • den Entscheidungsträgern eine andere Perspektive sowie Originalinformationen auf der Grundlage der Visionen der Bürger bieten;
  • der verantwortungsbewussten, demokratischen Leitung der ESA Gelegenheit geben, eine breitere Palette öffentlicher Anregungen und Erwartungen widerzuspiegeln und eventuelle kontroverse oder bisher unbekannte oder unterschätzte Fragen zu ermitteln;
  • das gegenseitige Lernen zwischen den Bürgern und der ESA ausbauen;
  • ein besseres Verständnis in Raumfahrtfragen bewirken und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Entscheidungen der ESA erhöhen.
  • Und vor allem wird es Spaß machen und anregend sein! Sie bekommen Gelegenheit, neue Bekanntschaften zu machen und mit einer kleinen Gruppe in freundlicher Atmosphäre über faszinierende Dinge zu diskutieren.

    Quelle: http://www.citizensdebate.space/de_DE/home

    Detaillierte Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Angesprochen sind explizit „Bürger wie Sie und ich“. Studenten, Rentner, Eltern. Kraftfahrer, Lehrer, Architekten – ganz egal. Jeder, der Interesse an der Raumfahrt und ihrer Zukunft hat, kann sich noch bis zum 4. September, 23:00 Uhr, unter folgendem Link bewerben:

    http://www.citizensdebate.space/de_DE/home

    Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere meiner Leser die Gelegenheit ergreift. Im März dieses Jahres durfte ich glücklicherweise bereits den Start von ExoMars im Kontrollzentrum in Darmstadt miterleben. Neben dem Start an sich war beeindruckend, wieviel Mühe sich die Organisatoren und die Vortragenden gegeben haben, um selbst komplizierte Inhalte leicht verständlich und umfassend zu vermitteln und sämtliche Besucher den ganzen Tag über freundlich zu betreuen, ihre Fragen zu beantworten und sich auf Dialoge einzulassen. Das war wirklich Raumfahrt zum Miterleben und Anfassen. Wenn die obige Citizens‘ Debate auch nur halb so gut organisiert ist wie das Event zu ExoMars, dann erwartet sämtliche Teilnehmer ein einmaliger und spannender Tag. Das kann ich glaube ich garantieren.