Septembermond

Längere Zeit hatte ich mein 127/1500er Maksutov-Cassegrain nicht zur Verfügung. Das kleine 70/400er Reiseteleskop ist zwar auch nett, aber bei Fotos nicht so recht zufriedenstellend. Und für das 200/1000er Newton fehlt mir noch die passende Montierung.

Heute Abend war es aber wieder soweit: Ich besitze wieder ein MC, ein schöner Mond stand am Himmel, und endlich hatte ich mal wieder Freizeit zur passenden Uhrzeit:

Mond, Dortmund 09.09.2016, 20:11h UTC+2, Skywatcher MC 127/1500, Canon EOS1200D, ISO 6400, 1/1000s

Mond, Dortmund 09.09.2016, 20:11h UTC+2, Skywatcher MC 127/1500, Canon EOS1200D, ISO 6400, 1/1000s

Als ich als Kind das erste Mal mit dem Fernglas den Mond anschaute, kam ich mir vor wie auf einer Reise. Das hat sich bis heute nicht geändert, und die Reise wird mit jedem Objekt, das ich im Teleskop betrachte, noch spannender…

Der Mond ist aufgegangen…

Vergangene Nacht nämlich.

Mond, Dortmund, 28.02.2016, 01:18, MC 127/1500, EOS 1200D, ISO 200, 1/40s

Mond, Dortmund, 28.02.2016, 01:18, MC 127/1500, EOS 1200D, ISO 200, 1/40s,
Kamera gesteuert via APT
Credits: Ute Gerhardt

Die vergrößerte Live-Vorschau des APT macht sich durchaus als vorteilhaft bemerkbar. Statt des winzigen Kamera-Displays hat man einen guten Teil des Laptop-Bildschirms zur Verfügung. Gerade bei nicht so gutem Seeing kann man damit einen der besseren Momente abpassen. Obendrein erlaubt es die Software, sämliche Einstellungen wie ISO, Belichtungszeit etc. am Rechner vorzunehmen, und sie fungiert zudem noch als Fernauslöser. Somit kann man die Kamera im Grunde berührungsfrei handhaben, wenn man will.

Zwischendurch

Mit dem Mond klappt’s mittlerweile auch schon besser. Bei der EOS 5D bin ich zwar immer noch auf das APT als Fernauslöser angewiesen, und das hat so seine Tücken *), aber mit der Zeit bekommt man ja Übung.

Mond, Dortmund, 26.10.2015, 21:37 h UTC+1, Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D Mark II, ISO 1600, 1/2500s

Mond, Dortmund, 26.10.2015, 21:37 h UTC+1, Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D Mark II, ISO 1600, 1/2500s

Der Himmel war an diesem Abend schön klar, das Seeing aber nicht so toll. Ich habe also mit den Einstellungen herumexperimentiert und ISO-Zahl und Belichtungszeit so lange gegeneinander ausgespielt, bis das Gewaber fast eliminiert war.

Wünschen würde ich mir, einmal von jedem Tag eines Mondzyklus ein gutes Foto hin zu bekommen und daraus eine Art Poster zu basteln.
Ja. Ich weiß. Dazu müsste ich wohl auf den Mount Everest. Und noch viel lernen. ;-)
——–
*)
1. Nach jedem Foto muss man im APT erst wieder auf das Live-View der Kamera umstellen – und dann wieder zurück, um wieder in die Live-Vorschau des APT zu kommen. Dadurch verliert man etwas Zeit.
2. Bei jeder Umstellung von Live-View an der Kamera auf Vorschau im APT (denn beides gleichzeitig geht nicht) werden allerdings Belichtungs- und ISO-Werte wieder auf die Maximalwerte der jeweiligen Kamera zurückgesetzt. Das ist extrem lästig, denn dadurch verliert man noch mehr Zeit.
3. Der Zoom der APT-Vorschau ist recht langsam.
4. Wie schon in einem Kommentar zu einem anderen Beitrag bemerkt: APT zeigt mir die voraussichtliche spätere Aufnahme in Gänze, bei ca. 10% der eigentlichen späteren Bildgröße. Um die Aufnahme bzw. die Vorschau im Live View am Rechner scharf zu stellen, muss ich mir den Ausschnitt des Gesichtsfeldes, der das anvisierte Objekt enthält, mit 100% oder wenigstens 50% der tatsächlichen Bildgröße auf den Bildschirm zoomen, sonst sehe ich ja die Kanten des Objekts gar nicht. Das hat aber natürlich ungefähr denselben Effekt, als hätte ich bei der visuellen Beobachtung von z. B. einem 32er auf ein 10er Okular gewechselt. Die Folge: Das Objekt läuft mir mit rasender Geschwindigkeit aus dem Bildausschnitt des Preview.

Dennoch muss ich zugeben, dass ich die große Vorschau des APT durchaus zu schätzen weiß. Dass ich noch keine Montierung mit Nachführung habe, ist ja meine eigene Schuld. Für Beobachtungen in der freien Wildbahn, statt auf dem Balkon, wäre das APT bzw. der dafür notwendige Laptop allerdings etwas umständlich.

Jupiter. Wieder viel gelernt.

Pünktlich zur Anschaffung des Mak vor ein paar Wochen gab es natürlich nicht nur schlechtes Wetter, sondern es verdrückten sich auch noch sämtliche Planeten samt Mond vom Nacht- an den Morgenhimmel. Das war ein bisschen doof, denn über das Alter der durchzechten Nächte bin ich inzwischen hinaus, während aber dasjenige der senilen Bettflucht offensichtlich noch auf sich warten lässt.

Aber was tut man nicht alles, wenn man denn endlich mal schönes Wetter, ein Teleskop und Kameras zum Experimentieren hat? Man steht sogar eine Stunde vor dem eigentlichen Weckerklingeln auf, um beispielsweise zur Abwechslung mal den Jupiter einzufangen.

Jupiter

Jupiter und (von unten) Kallisto, Io, Europa und Ganymed. Dortmund, 06:24 UTC+2, Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D II, ISO 3200, 0,3 s

Nachdem bisher immer der Mond als Fotomodell herhalten musste, war dies mein erster Versuch, einen Planeten zu erwischen. Tja, und von ca. 30 Fotos mit verschiedensten Einstellungen sind gerade mal vier halbwegs brauchbar geworden. Der Rest war zu hell und verwischt, zu dunkel und verwischt, dann wieder scharf, aber zu detailarm, und, und, und. Mal sieht man die Streifen des Jupiter, aber dessen Konturen sind verwaschen und die die Monde sind weg. Dann wiederum sieht man die Monde recht plastisch, aber der Planet ist überstrahlt, so wie auf dem obigen Foto. (Zugeschnitten, aber ansonsten unverändert.) Da hilft auf die Dauer wohl nur ein Komposit bzw. Stacking, nehme ich an. Und vermutlich wäre es daher auch sinnvoller, statt einzelner Fotos ein Video aufnzunehmen. Ob das aber ohne Nachführung überhaupt einen Sinn hat, möchte ich bezweifeln. Denn so schnell, wie mir die Planeten aus dem Gesichtsfeld rasen, bekäme ich nur Aufnahmen von bestenfalls ein paar Sekunden hin. Über kurz oder lang steht also wohl die nächste Anschaffung ins Haus. ;-)

Aber immerhin ist mir bei den bisherigen Experimenten eines klar geworden: Fotos von ganzen Konstellationen samt Landschaft sind zwar sehr schön anzusehen, reizen mich persönlich aber bei meinen eigenen Versuchen überhaupt nicht. Ich möchte „nah ran“ und Details sehen, so wie beim Mond der letzten Wochen, so wie heute morgen, so wie damals im Verein, und so wie eigentlich auch schon als Kind mit dem Fernglas meines Vaters. Optisch dort hin reisen, wo ich persönlich nie hin gelangen werde. Eine Ausnahme könnte die Milchstraße sein, von der Mitblogger Jan Hattenbach vor einer Weile großartige Aufnahmen aus Chile gepostet hat. Die Milchstraße allerdings bekommt man hier erst im tiefsten Sauerland zu sehen – wenn überhaupt.

Kurz und Knapp: Apollo-Fotos, ESA-Cubesats, Akatsuki & mehr

Unter der Rubrik „Kurz & Knapp“ finden sich Hinweise und Links auf Meldungen und Webseiten, die mir nebenbei auffallen, aber auf die Schnelle keinen eigenen Blogeintrag hier erhalten. Sei es, weil mir die Zeit fehlt, sei es, weil sie am besten für sich selbst stehen oder das Thema Raumfahrt eher am Rande betreffen:

————————————————————

Fotos der Apollo-Missionen:
Die NASA hat die Fotos der Apollo-Missionen als „Public Domain“ auf Flickr veröffentlicht, und es sind wirklich grandiose Aufnahmen dabei:
https://www.flickr.com/photos/projectapolloarchive/albums

————————————————————

Fly Your Satellite from the ISS

The Danish flag will fly high on Monday when two small satellites, designed and built in Denmark, are released from the International Space Station and start their mission in space: the student-built AAUSay-5 and the professional technology demonstrator GomX-3. (…) With AAUSat-5, ESA is inaugurating a new branch of the initiative: Fly Your Satellite from the ISS!

http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Engineering_Technology/ESA_CubeSats_set_for_Monday_release

————————————————————

„Japan: Akatsuki wieder auf dem Weg zur Venus“: Fünf Jahre nach dem misslungenen ersten Versuch soll die Sonde diesmal endlich in die Umlaufbahn der Venus einschwenken und dort das Wetter und die Oberfläche untersuchen.
http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/29092015204806.shtml
http://global.jaxa.jp/projects/sat/planet_c/topics.html#topics5594

————————————————————

Teleskop-Netzwerk für Amateure::
Profis können es schon lange: Beobachtungszeit an den großen Teleskopen auf der ganzen Welt buchen und dort von den gewünschten Himmelsregionen Aufnahmen machen lassen. Ein US-Amerikaner möchte für Amateure das Äquivalent dazu schaffen:

Spacey is currently building a remote telescope system for popular, educational, or general astronomy purposes. You will be able to remote into our telescopes from our website to edit and share your images with other astronomers.

https://www.youtube.com/c/spaceysciences
https://twitter.com/spacey_sci
http://spacey.io/

————————————————————

Fiktion und (hoffentlich irgendwann…) Wirklichkeit: Darsteller des „The Martian“-Films und Experten der NASA disktuieren die Möglichkeit einer Marsmission. Beim Zeitrahmen (die 30er-Jahre dieses Jahrhunderts? No way.) muss sich jemand um ca. 100 Jahre verrechnet oder vertippt haben, aber ansonsten ist das Video recht unterhaltsam:

————————————————————

Ausstellung in London: Russische Raumfahrt:

Billed as the greatest exhibition of Soviet spacecraft and artifacts ever to be seen outside of Russia, „Cosmonauts: Birth of the Space Age“ opened to the public Friday (Sept. 18) at the Science Museum in South Kensington. Years in the making, the unprecedented exhibition is the result of a partnership between the museum, the State Museum and Exhibition Center Rosizo in Moscow and Russia’s Federal Space Agency Roscosmos.

Ich werde sie mir Anfang 2016 auf jeden Fall ansehen und anschließend hier berichten.
http://www.collectspace.com/news/news-091815a-cosmonauts-exhibition-science-museum.html

————————————————————

Sensation! Wasser auf dem M: Ach, lassen wir das.

————————————————————

Ein Gruß aus der letzten Nacht der Schönwetterperiode in Westfalen:

 Dortmund, 02. Oktober 2015, 23:27 Uhr, Skywatcher Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D II, ISO 3200 und 1/1000s.

Dortmund, 02. Oktober 2015, 23:27 Uhr, Skywatcher Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D II, ISO 3200 und 1/1000s.


Vergangene Nacht hatte ich das Teleskop für (wg. der Vergrößerung afokale) Aufnahmen von Venus, Mars und Jupiter vorbereitet – und dann prompt vergessen, mir den Wecker zu stellen. Seit heute mittag ist es bewölkt. Tja. ^^

Mal wieder in den Mond geguckt

Ein brandneues Teleskop und eine geliehene, unvertraute Kamera, obendrein ewig nicht mehr „manuell“ fotografiert… Na prost Mahlzeit, das kann ja eigentlich nur ein Desaster werden. Dachte ich. Ganz so schlimm wurde es dann aber doch nicht:

Mond_20150926
Mond, Dortmund, 26. September 2015, 22:35 Uhr, Skywatcher Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 400D, f/11,8 bei ISO 200 und 1/320s.

Das Seeing war überraschend gut und das Teleskop samt Kamera bei der Aufnahme gründlich an die Außentemperatur angepasst. Das obige Bild ist aus dem RAW-File generiert, auf 50% verkleinert und natürlich komprimiert, ansonsten aber unverändert.

Zwei Probleme muss ich vor der Mondfinsternis noch lösen:

1) Die EOS 400D hat kein Live View, also klebe ich im Stockdustern – natürlich ohne meine Brille – mit dem Auge am winzig kleinen Sucher. Den hatte ich mir zwar bei Tag schon auf meine Dioptrienzahl eingestellt, aber so ganz haut das wohl doch nicht hin. Und so muss ich nun beim Fokussieren versuchen, dieses Defizit auszugleichen und quasi „blind“ scharf zu stellen. Das ist hier noch nicht gut gelungen. (Sterne anzuvisieren hat mit diesem Sucher übrigens noch überhaupt nicht geklappt. Ich kann sie in diesem winzigen Fensterchen schlicht und ergreifend nicht erkennen.) Eins steht also schon fest: Gekauft wird auf jeden Fall eine Kamera mit Live View, am besten noch mit ausklappbarem und schwenkbarem Display. Mein Limbo hinter der 400D ist für Zuschauer sicher ein phantastischer Quell der Erheiterung, aber einen Genickbruch möchte ich für ein Hobby nun doch nicht riskieren. ^^

2) Die Quelle der Verwacklungen ausfindig machen. Auch die Kombination Fernauslöser + verzögertes Auslösen hat (wie man oben rechts im Bild gut sieht) nicht ausgereicht, um alle Schwingungen auszuschalten. Die Fotos mit höherer Belichtungszeit als 1/200s kann man allesamt vergessen. Das ist ein bisschen blöd, denn einen verfinsterten Mond kann ich so nicht gut aufnehmen, und mit höherer ISO-Zahl wird’s wahrscheinlich zu körnig. Versuchen werde ich es natürlich dennoch.

Fazit: So richtig zufrieden bin ich mit dem heutigen Ergebnis nicht. Ob das nun eher an der Kamera liegt oder eher an mir (was ich sehr befürchte… ähem) muss sich noch heraus stellen. Eine Weile werde ich noch mit der 400D herum experimentieren. Als Nächste wird dann in ein paar Wochen eine 1200D ausprobiert. Zunächst hoffe ich jetzt allerdings auf gutes Wetter für Montagmorgen. Am liebsten so klasse wie gerade eben.