Abenteuer Raumfahrt

Massenträgheit, Thermalkontrolle, Lageregelungssysteme, Aerodynamik… Das klingt alles erstmal nicht nach Spiel und Spaß für Kinder. Ist es aber! Diese Themembereiche – und noch einige mehr – sind nämlich in einem Experimentierkasten von Ravensburger vertreten, der mir neulich zufällig unter den Mauszeiger geriet: „Abenteuer Raumfahrt“
Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Credit: Ute Gerhardt, Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Credit: Ute Gerhardt, Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Mit einer „echten“ Rakete sogar, und empfohlen für Kinder ab 8 Jahren. OK, meine sind noch 10 bzw. gerade 12 Jahre alt, da bestand also Hoffnung, dass sie den Inhalt verstehen, sich aber noch nicht damit langweilen würden. Und überhaupt: Ich selber will ja schließlich auch meinen Spaß! Also ab in den Einkaufskorb mit dem Kasten, für das nächste verregnete Wochenende. Das ließ nicht lange auf sich warten, und schon saßen wir zu dritt um den Tisch und packten aus:
Inhalt des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Inhalt des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Inhalt des Experimentierkastens

Auf den ersten Blick wirkte der Inhalt etwas verwirrend, aber das ist ja bei den meisten Experimentierkästen so. Viele Teile sahen einander ähnlich, und auf den Gesichtern meiner Kinder machten sich die ersten Fragezeichen breit. Also beschlossen wir das, was man ja eigentlich sowieso tun sollte, mit Kindern aber nicht immer problemlos hinbekommt: Einfach die Anleitung* von vorne nach hinten schrittweise durchlesen, die nötigen Teile für jedes Experiment anhand der Bilder aus dem Bestand heraussuchen — und den Rest erst einmal ignorieren.
Themen des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Themen des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Themen des Experimentierkastens

Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Anleitung sehr schön aufgebaut ist. Der Hersteller wirft die Kinder nicht einfach mit dem ersten Experiment ins kalte Wasser, sondern erklärt eingangs grob umrissen die Grundlagen sowie ein kleines bisschen zur Raumfahrtgeschichte und baut dann die Experimente inhaltlich aufeinander auf. Trotzdem kann man sie – je nach Vorwissen der Kinder – auch einzeln auswählen und durchführen. Ein weiteres großes Plus des Kastens: Bei Berechnungen, wie zum Beispiel der Veränderung des eigenen Gewichts auf den diversen Planeten, werden nicht nur Tabellen präsentiert, sondern im Anhang auch die Rechenwege erklärt.

Zu jedem Versuch gibt es unter der Überschrift „Was steckt dahinter?“ gut verständliche Erläuterungen über den allgemeinen naturwissenschaftlichen Hintergrund des Experiments. Im Kästchen „Expertenwissen“ wird zusätzlich erklärt, welche Rolle speziell dieses aktuelle Experiment in der Raumfahrt spielt. Unter „Was meinst du?“ werden die Kinder angeleitet, sich auch selbst noch Gedanken zu machen. Zum Beispiel über die Frage, warum die meisten Raketen eine weiße Farbe haben. Oder ob der Mond die gleiche Anziehungskraft hätte wie die Erde, wenn er genauso groß wäre. Die Antworten auf diese Fragen finden sich ebenfalls im Anhang der Anleitung.

Bei einigen Versuchen (Aerodynamik, Thermalkontrolle) war meinen Lütten schon beim Überfliegen des Versuchsaufbaus klar, worauf die Autoren hinaus wollten, weil sie entsprechende Beobachtungen längst anderswo gemacht hatten. Also haben wir diese Experimente übersprungen bzw. für „irgendwann mal“ zurück gestellt.
Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Credit: Ute Gerhardt Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Credit: Ute Gerhardt Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Es sind allerdings durchaus auch Themen dabei, die für einen durchschnittlichen Achtjährigen ohne Vorkenntnisse vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen sind. Zum Beispiel die Flugbahnbestimmung hier rechts im Bild: Warum kann man ein Raumschiff eben nicht einfach zack! auf schnurgeradem Weg zu dem Planeten schicken, zu dem man will? Etwa von der Erde zum Mars? Mit etwas Unterstützung durch einen interessierten Erwachsenen wird aber auch das schnell klar, und am Ende hat man schönes Anschauungsmaterial, anhand dessen man das Gelernte immer wieder nachvollziehen kann.

Für manche der Versuche muss man auch raus aus dem Haus und sich sportlich betätigen. Zum Beispiel für die Bestimmung der Fluggeschwindigkeit:
Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Credit: Ute Gerhardt, Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Credit: Ute Gerhardt, Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Bei anderen wiederum, wie beim „Lageregelungssystem“, ist etwas Bastelei und Fingerfertigkeit gefragt:

Essig-Natron-Rakete

Credit: Saskia Gerhardt, Essig-Natron-Rakete

Credit: Saskia Gerhardt, Essig-Natron-Rakete

Das Highlight des Kastens ist aber natürlich die mit „Haushaltstreibstoff“ gestartete Rakete. Sie besteht aus einer 0,5 Liter PET-Flasche sowie diversem Zubehör aus dem Kasten und dem Küchenschrank. Hier sind auch schon mal vier Hände für den Zusammenbau erforderlich. Und ich hätte mir gewünscht, dass der Kasten genug Material enthielte, um ggf. auch zwei oder drei dieser Raketen bauen zu können. Denn wenn sie einmal geflogen bzw. wieder auf der Erde aufgeschlagen ist, sind die Leitflügel und der Haltering kaputt und für weitere Versuche nicht mehr zu gebrauchen. Das finde ich ziemlich schade.

Ein weiteres kleines Manko: Es wird leider nicht angegeben, welchen Säuregehalt der Essig haben sollte, den man zusammen mit Natron für den Treibstoff benötigt. Ich hatte nur Balsamico und Reisessig im Haus. Mit denen hat es nicht funktioniert. Mit dem nachträglich gekauften Standard-Apfelessig hingegen schon.

Unsere Rakete flog übrigens auch mit geeignetem Essig erst im zweiten Anlauf. Die Kinder hatten sich für den ersten Versuch ein großes Feld hinter unserem Haus ausgesucht. Dabei aber leider nicht bedacht, dass der Boden vom Regen aufgeweicht war. Der Treibstoff ließ also nicht die Rakete abheben, sondern schoss ein Loch in den Boden. Anschließend kippte die Rakete um und verteilte den Rest des Treibstoffs horizontal zum Feld. Das war zwar auch spektakulär, aber nicht so ganz im Sinne des Erfinders. Na immerhin: Wieder was gelernt. 😉

Der Experimentierkasten war zumindest für uns wirklich kurzweilig und lehrreich. Die Kinder waren zum Teil doch überrascht, wieviel Raumfahrt und Alltag miteinander zu tun haben. Viele Dinge aus dem Kasten kann man auch länger benutzen (Gewichts- und Geschwindigkeitstabellen) oder nach eigenem Interesse abwandeln, wie zum Beispiel den Bremsfallschirm. Manches ist eher für ältere Kinder gedacht, manches eher für jüngere. Alle Kinder werden aber auf mehreren Ebenen angesprochen: Lesen, sich bewegen, basteln, beobachten, und manchmal ist dabei auch Kooperation gefragt. Aus dieser Mischung ergaben sich bei uns auch interessante Unterhaltungen und Konstellationen, die über den Inhalt des Kastens weit hinaus gingen. Wir haben im Verlauf von zwei Nachmittagen so manches zusätzlich gegoogelt, kamen dadurch auf weitere Themen und hatten insgesamt ziemlich viel Spaß.

Fazit: Ich freue mich immer noch über diesen Zufallsfund. Wenn man ahnt, dass das betreffende Kind Interesse haben könnte, ist er ein prima Geschenk. Mit etwas Glück darf man sogar mitspielen.


* Kleiner Kritikpunkt: Die Tipp- und Das/Dass-Fehler in der Anleitung

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Ausgefragt von den Astrozwergen ;-)

e873c-liebster-blog-awardDie Astrozwerge haben mir einen Award verliehen, verbunden mit einer Art „Interview“. Vielen Dank, das war eine nette Überraschung! Ich will mal sehen, ob ich die mir gestellten Fragen beantworten kann:

  1. Woher nimmst du dir die Zeit für deinen Blog?
    Ich nehme nach Möglichkeit die Abende, nachdem die Kinder ins Bett gegangen sind. Oder eben die Wochenenden, an denen die Kinder bei ihrem Vater sind. Allerdings klappt auch das nicht immer, denn es gibt leider meist auch dann noch viel zu erledigen, das im Alltagstrubel liegen geblieben ist.
  2. Was sagt deine Familie / dein nahes Umfeld dazu dass du schreibst?
    Nicht viel. Da ich nur selten explizit für Kinder schreibe, ist mein Nachwuchs mit seinen derzeit neun und zehn Jahren noch etwas zu jung. Ich habe die Vermutung, dass mein Vater ab und zu mitliest; er kommentiert jedoch nie.
  3. Welche Unterstützung bekommst du von ihnen?
    Die zwei oder drei Einträge, die ich für Kinder schrieb, haben meine Sprösslinge vor der Veröffentlichung gegengelesen. So konnte ich herausfinden, ob mein Text zumindest für sie einigermaßen verständlich war.
  4. Was macht dich richtig glücklich?
    Vieles. Das kann ein gelungenes Foto sein, ein schöner Moment mit meinen Kindern, die Gewissheit, eine schwierige Aufgabe gemeistert zu haben, in ein gutes Buch abtauchen zu können, schöne Musik (vor allem, wenn ich sie noch nie zuvor oder lange nicht mehr gehört habe), starker Wind im Gesicht – und vieles mehr.
  5. Gibt es für dich Kindheitserinnerungen, die deine Kinder leider nicht erleben werden können?
    Konkret fällt mir da gerade nichts ein, wo das Wort „leider“ gerechtfertigt wäre. Natürlich haben sie andere Erlebnisse und Erinnerungen als ich, aber dass etwas fehlt, denke ich derzeit nicht.
  6. Worum beneidest du deine Kinder, was du in deiner Kindheit nicht haben / nicht erleben konntest?
    Der unglaubliche einfache Zugang zu Wissen in aller Welt, via Internet. Das ist etwas, das ich mir als Bücherfresser sehr gewünscht hätte. (Als Kind habe ich das monatliche Ausleihlimit der Stadtbibliothek jahrelang jedesmal ausgeschöpft.) Des weiteren hätte auch ich gerne Geschwister gehabt.
  7. Wie siehst Du deine Kindheit heute?
    Sie war in vieler Hinsicht keine „Standardkindheit“, angefangen bei der Blindheit meiner Eltern, über die vier Jahre dauernde Erkrankung und den Tod meiner Mutter als ich 13 war, bis hin zur Wiederheirat meines Vaters. Letztendlich hat mir aber nichts Wesentliches gefehlt, und ich habe auf die Art auch einiges mit auf den Weg bekommen, das andere Kinder nicht hatten. Selbständigkeit und eine gewisse Unabhängigkeit, zum Beispiel, die über das Maß bei anderen Kindern weit hinaus ging.
  8. Was ist dir wichtig, deinen Kindern mitzugeben?
    Ich greife mal zwei Punkte aus vielen heraus. Der erste: Wissen. Seit jeher vermittle ich meinen Kindern, dass Wissen das Einzige ist, das sie vor Manipulation und Abhängigkeit schützen kann, das ihren Lebensunterhalt sichern kann und die einzige Sache ist, die ihnen niemand wegnehmen kann und die nicht verschwindet, wenn sie sie verkaufen oder verschenken. Wissen sollen sie „mitnehmen“, wo sie nur können.
    Der zweite: Ich möchte, dass auch meine Kinder so viel Selbständigkeit erlangen wie ich damals. Auch wenn sie es nicht müssten. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Klassenkameraden nehmen sie zum Beispiel genau wie ich seinerzeit öffentliche Verkehrsmittel für ihren Schulweg oder gehen zu Fuß, statt kutschiert zu werden. (Taxidienste sind wirklich den Strecken vorbehalten, die mit den Öffentlichen nicht gescheit erreichbar sind, wie z. B. der Reitstall.) Sie haben auch bereits ihre Aufgaben im Haushalt, entsprechend ihren Fähigkeiten. Briefkasten leeren, Blumen gießen, das eigene Zimmer staubsaugen, beim wöchentlichen Großputz die Waschbecken reinigen und Hilfsarbeiten beim abendlichen Kochen. Denn sie sollen wissen, dass auch eine Familie, wie jede Gemeinschaft, nur dann funktioniert und es allen gut geht, wenn jeder seinen Teil beiträgt.
  9. Welchen Tipp hast du für meinen Blog?
    Einen Tip in dem Sinn habe ich eigentlich gar nicht, denn mir ist keine konkrete Problemstellung bekannt. Gibt es eine?
  10. Hast du eine “ToDo” Liste für dein Leben und was sind oder was wären einige der Punkte?
    Ich möchte irgendwann noch einmal mit den Kindern nach Australien, nach Rottnest Island, wo die Quokkas leben. Wir waren im Sommer dort und es war viel zu kurz. Überhaupt sind mir Reisen wichtig. Auch Island steht auf meiner Liste. Desgleichen Japan. Seit einer Weile bringe ich mir die Sprache selbst bei und möchte im Frühjahr / Sommer 2016 gerne für zwei Wochen ins Bochumer Japonicum, um den Lernprozess etwas zu beschleunigen.
  11. Wie stellst du dir deinen Blog in 5 Jahren vor?
    Ich weiß es nicht. Eigentlich ist ja gar nicht dies hier mein Blog, sondern das inhaltsgleiche aber etwas bekanntere „Leaving Orbit“ bei den Scilogs. Auf WordPress hatte ich vor meinem Umzug zu den Scilogs zwar angefangen, bin hier aber nie richtig bekannt geworden. Ich kopiere die Scilogs-Einträge allerdings weiter hier hinein, als Mirror sozusagen. Ob ich mich bei den Scilogs als Laie auf die Dauer überhaupt halten kann, ist mir nicht klar. Man hat mich dort durchweg freundlich und hilfsbereit aufgenommen. Aber ich frage mich inzwischen bei jedem einzelnen meiner Einträge, was um Himmels Willen mich denn bloß geritten hat, unter echten Experten wie Michael Khan oder Andreas Morlok mitbloggen zu wollen. Im Grunde rechne ich täglich mit der Ansage: „Mensch, Mädel, lass das doch lieber sein!“ Ob ich im Fall eines Scheiterns dann aber stattdessen hier weiter mache, weiß ich auch nicht. Es wäre ja eigentlich Unsinn.

Meine Fragen? Es tut mir leid, aber mir will da nicht so recht etwas einfallen. Wer mag, kann gerne die beantworten, die ich hier selbst gerade beantwortet habe.

Meine Nominierungen? Tja, mit diesem ganzen Followdings hier kenne ich mich überhaupt nicht aus. Ich habe keine Ahnung, welche Blogs wieviele regelmäßige Leser haben – nicht einmal, was mein eigenes anbelangt. Und die meisten Blogs, die ich regelmäßig lese, liegen nicht auf WordPress und sind auch nicht in deutscher Sprache geschrieben. Da muss ich also passen.

Urlaub, Pluto und eine Asteroidentaufe

Das Schöne am Urlaub ist, dass man sich endlich mal Dingen widmen kann, für die man im Alltag keine Zeit hat. Zum Beispiel, verschmuste Quokkas beim Mittagsschlaf zu beobachten oder sich den Sternenhimmel der Südhalbkugel unseres Planeten anzusehen. Es gab aufgrund des Winterwetters leider nur wenige Gelegenheiten für Himmelsbeobachtungen. Doch immerhin eine Nacht war klar genug, um im Kings Park der Stadt Perth mit bloßem Auge sogar die Milchstraße um das Kreuz des Südens erkennen zu können. Im Teleskop sah das alles natürlich noch viel prächtiger aus, aber meine noch unvollständige Ausrüstung gab leider kein gutes Foto her. Ich hoffe, Mit-Blogger Michael Khan im Folgenden entschädigen und mein Versprechen wenigstens teilweise einlösen zu können:

Ausschnitt aus einem australischen 50-Dollar-Schein. Transparenter Einsatz mit dem „Kreuz des Südens“ in weiß als Motiv.

;-)

Das einzig Dumme am Urlaub ist hingegen, dass so manches an einem vorüber zieht, über das man im Alltag gebloggt hätte. New Horizons Pluto-Fly-By zum Beispiel. Ein paar der interessantesten Links möchte ich dennoch kurz hier vorstellen:

Die Bilder der NASA http://www.nasa.gov/mission_pages/newhorizons/main/index.html und die Rohdaten http://pluto.jhuapl.edu/soc/Pluto-Encounter/

Ein Artikel von Spektrum der Wissenschaft, der die bisherigen Ergebnisse zusammenfasst: http://www.spektrum.de/news/pluto-lebendiger-planet/1357480

„The Icy Mountains of Pluto“ – Eine Amateur-Animation aus den Rohdaten der NASA

Bei der ganzen verständlichen Aufregung um New Horizons und Pluto ist eine andere Mission etwas in den Hintergrund geraten: Hayabusa2. Die japanische Sonde ist seit Dezember 2014 zum Asteroiden 1999 JU3 unterwegs und soll diesen in 2018 nicht nur untersuchen, sondern – wie schon ihre Vorgängerin Hayabusa vom Asteroiden Itokawa – zwei Jahre später auch Gesteinsproben zurück zur Erde bringen. Nun ist „1999 JU3“ allerdings kein eingängiger oder gar schöner Name für diesen bald prominenten Asteroiden. Eine bessere Bezeichnung muss her, und wer immer einen guten Vorschlag hat, kann diesen => hier <= einreichen. Mit etwas Glück wird vielleicht gerade dieser Vorschlag ausgewählt und in alle Welt getragen. Einsendeschluss ist der 31. August 2015.

Da wir gerade bei Deadlines sind: Es gilt noch immer einen Satelliten zu verschönern! Kinder aus allen Ländern, die an der ESA-Mission „CHEOPS“ beteiligt sind, können bis zum 31. Oktober ihre Zeichnungen einschicken. Diese werden verkleinert auf eine Plakette graviert und am Satelliten befestigt, bevor er seine Reise antritt.

Ach ja, übrigens: Satelliten und unbemannte Sonden sind ja durchaus spannend, aber wieviele Menschen befinden sich denn gerade im All? Und wer sind sie?

Astrofotografie à la Mac Gyver ^^

Mond, Dortmund, 24.06.2015, 22:59 Uhr, Credit: Ute Gerhardt

Mond, Dortmund, 24.06.2015, 22:59 Uhr, Credit: Ute Gerhardt

Seit gut zwei Wochen bin ich im Besitz eines Reiseteleskops, genauer gesagt eines Celestron AC 70/400 TravelScope AZ. Es hat ein Öffnungsverhältnis von 5,7, kommt fix und fertig mit einem leichten (und leider im ausgefahrenen Zustand nicht berauschenden) Stativ, einem 5×24-Sucherfernrohr, einem 20er- und einem 10er Kellner-Okular sowie einem Amici-Prisma. Der Tubus wiegt nur ca. 650g, der Preis war für mich OK, und so erschien es mir ideal für den Sommerurlaub in Down Under, der in zwei Tagen ansteht.

Logischerweise nimmt man so ein Ding ja nicht mit, ohne es vorher ausprobiert zu haben. Nun war allerdings beim Kauf leider fast schon wieder Neumond und ich konnte mir zunächst lediglich Venus, Jupiter und Saturn vorknöpfen. Dabei probierte ich auch mit einem USB-Okular, einer winzigen Canon Powershot und einer noch winzigeren Fuji Finepix herum. Im ersten Fall ohne und im zweiten und dritten Fall mit sehr mäßigem Erfolg. (Was ich alles versucht habe, um die Kameras am Teleskop zu befestigen, darf ich eigentlich gar niemandem erzählen. Es sei nur soviel verraten: Filmdosen, Kaminfeuerzeuge und Feilen waren unter anderem auch involviert. Das Ergebnis trat jedoch begleitet von ein paar herzhaften Flüchen fast umgehend den Weg in den Mülleimer an. ^^) Anschließend war eine Woche lang das Wetter schlecht und es ging gar nichts mehr. Heute Gestern abend jedoch verschwanden die Wolken endlich und ich konnte mir erstmals nach ca. 15 Jahren ohne Teleskop unseren Erdtrabanten mal wieder genauer ansehen. Na endlich!

Nun hatten mich die bisherigen Fotografierversuche mit den äh… bescheidenen Mitteln dieses Haushalts allerdings nicht entmutigt, sondern eher noch störris entschlossener werden lassen: Ich wollte endlich ein Foto dessen, was ich da sah, zum Donnerwetter nochmal! Diesmal musste das Nexus 5 samt „Open Camera“-App herhalten. Damit hatte ich bei „First Light“ unter Tageslicht ein recht passables Foto eines Fernmeldeturms in ein paar Kilometern Entfernung geschossen und auch im Mai schon den Mond mit Jupiter und Venus einfach aus der hohlen Hand heraus vom Balkon des Dachgeschosses aus fotografiert. Gedacht – getan. Rein mit dem 10mm-Okular, App geöffnet, draufgehalten. Freihändig. Die EXIF-Daten behaupten übrigens, dass Open Camera sich für eine Belichtungszeit von 1/40s bei ISO 230 entschieden hat. Das Seeing war OK, es war nur ein klein wenig diesig und noch nicht völlig aufgeklart.

Versierte Astrofotografen lachen sich jetzt wahrscheinlich schlapp über das Ergebnis da links oben neben dem Text, und das sei ihnen auch gegönnt. Lachen ist gesund, und ich weiß selber, dass ich da kein Meisterwerk erschaffen habe. ;o) Aber ich war doch überrascht, dass ich nur acht Versuche brauchte, um das da oben zustande zu bekommen.

Hier ist zwar längst die Entscheidung für die relativ baldige Anschaffung eines Celestron NexStar 5SE gefallen, aber ich denke, ich werde dennoch auch eine Handyhalterung für das Travelscope kaufen. Vielleicht wird das ja tatsächlich was mit dem Foto des südlichen Sternenhimmels, das ich einem gewissen Herrn versprochen habe. ^^

Moon Rock 15536

Da links erwähnte ich es ja schon: Der Hauptschuldige an meiner Weltraumbegeisterung ist mein Vater. Nicht nur, weil er mir eines Abends sein Fernglas vermacht hat, mit dem ich mir dann erstmal den Mond ansah, sondern weil er auch selbst ein Faible für alles hat, was mit dem All zusammenhängt. (Nebenbei ist er auch noch Hobbymeteorologe, und zwar ein verflixt guter.)

Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken: Mein Vater kam bereits mit einer Augenerkrankung zur Welt und erblindete mit 25 Jahren komplett. Nun ist die Astronomie für Blinde allerdings gelinde gesagt nicht gerade das zugänglichste aller Hobbys. Das hat meinen Vater aber nie davon abgehalten, sich so weit es ging weiter damit zu beschäftigen und seine Kenntnisse auch an mich weiterzugeben. Meine Mutter war ebenfalls fast blind – und so wuchs ich also in einem Haushalt auf, in dem alles auf diese Behinderung abgestimmt und entsprechend gekennzeichnet war. Unter anderem hing so weit meine Erinnerung überhaupt zurück reicht Folgendes an einer unserer Wände: (Ein Klick vergrößert das Foto.)

Credit: Ute Gerhardt, Moon Rock 15536

Credit: Ute Gerhardt, Moon Rock 15536

Es ist ein Bild der Mond-Gesteinsprobe 15536, gesammelt von Apollo 15 im Jahr 1971. Es ist aber auch gleichzeitig ein ziemlich ausgeprägtes Relief. Geht man mit den Fingern darüber, hat man tatsächlich das Gefühl, über einen Stein zu streichen. Es ist rauh und kühl, es hat Vertiefungen und eine deutliche Körnung, und ich war als Kind fasziniert von diesem Ding. Am unteren Rand steht in Braille-Vollschrift* dasselbe wie unterhalb des Bildes in Schwarzschrift: „Moon Rock No. 15536“ links, und auf der rechten Seite dann: „Apollo 15 July 26 – Aug. 7 1971“. Auf der Rückseite findet sich folgende Erläuterung: (Ein Klick vergrößert das Foto.)

Credit: Ute Gerhardt, Moon Rock 15536, Rückseite

Credit: Ute Gerhardt, Moon Rock 15536, Rückseite

Das Relief ist im Grunde ein typisches haptisches Blindenhilfsmittel, wie meine Eltern derer viele besaßen, nur wesentlich elaborierter als die meisten anderen. Ich weiß nicht, warum mir dieser Punkt nie auffiel. Mein Vater hatte das Relief nach eigener Aussage auf irgendeiner Fortbildungsveranstaltung für Blinde gekauft. Sein Blindenatlas war ganz ähnlich gestaltet, hatte allerdings keine Farben. Er bestand aus sehr kräftiger blauer Folie, in die mittels einer Tiefziehpresse die Formen und Verläufe von Flüssen, Gebirgen, Landesgrenzen etc. eingeprägt worden waren. In diesem Atlas gab es auch eine kleine Sektion mit 3D-Mondkraterlandschaften. Man konnte kleine Matchboxautos darin herum fahren lassen, und soweit ich mich erinnern kann, habe ich das auch getan, wann immer sich die Gelegenheit bot. *g*

Als ich 1989 von zu Hause auszog und anfing zu studieren, schenkte mein Vater mir das Relief der Mondgesteinsprobe. Es hing fortan in Studentenwohnheimen, WGs und untergemieteten Zimmern, in meiner ersten, zweiten und dritten Wohnung und steht heute auf einer kleinen Staffelei im Wohnzimmer.

In einem Anfall von Pfingstsauberkeitswahn staubte ich sie heute abend mal wieder ab, und da kam mir die Idee, doch aus Jux einfach mal zu googeln, was es mit diesem „Moon Rock 15536“ wohl genauer auf sich hat. Gefunden habe ich unter anderem eine Analyse der Zusammensetzung (PDF), die mir der arme Lars wohl demnächst mal wird erläutern müssen, sowie… einen Link zu einem Auktionshaus.

Von wegen „Hilfsmittel“. ^^ Ich weiß nicht, wie groß die Auflage dieses Reliefs gewesen ist. Aber ich gehe jede Wette ein: Kein anderes Exemplar hat so gute und handfeste Dienste geleistet wie dieses eine. Soll mir noch einer sagen, Kunst sei im Alltag nutzlos!

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* Die Buchstaben des Braille-Alphabets basieren auf einem System von 6 Punkten, die wie die Sechs auf einem Würfel angeordnet sind. Jedem Buchstaben ist hierbei eine bestimmte Kombination von Punkten aus dieser Matrix zugewiesen. Brailleschrift und die daraus entstehenden Bücher verbrauchen eine Menge Platz. Man kann die Buchstaben und Zeilenabstände ja nur bedingt verkleinern, weil ab einem gewissen Grad das „Auflösungsvermögen“ der Fingerkuppen nicht mehr ausreicht, um die verschiedenen Punktkombinationen voneinander zu unterscheiden und zu trennen. Um dennoch Platz und beim Lesen Zeit sparen zu können, gibt es neben der Vollschrift (= fast alle Buchstaben werden ausgeschrieben) die sogenannte „Kurzschrift“, ähnlich der Stenografie. Diese habe ich nie leider gelernt. Vollschrift jedoch schon.

„Lange Nacht der Sterne“

(Dies ist ein Beitrag aus meinem alten Blog „Rückspiegel“. Das Blog existierte von 1999 bis 2013; dann nahm ich es aus persönlichen Gründen vom Netz. Dieser Eintrag ist eine schöne Erinnerung an einen tollen Abend, die ich nicht in einem .sql-File verschütt‘ gehen lassen möchte. Mehr nicht. Am besten einfach nicht weiter beachten. ;-))
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Wenn ein Chemiker, -> zwei -> Astronomen und ein undefinierbares Subjekt (sprich: Meine Wenigkeit) miteinander eine Veranstaltung besuchen, kann das eigentlich nur eine prima Sache werden. *g*

In diesem Fall war es die „Lange Nacht der Sterne“ bei ESA und EUMETSAT in Darmstadt, die am vergangenen Freitag zum Tag der offenen Tür geladen hatten.

Der Rundgang bei der ESA begann mit einem Blick in die Kontrollräume der diversen Satelliten und Teleskope. Also die Bodenkontrollen, das Herschel-Planck-Teleskop, das Integral-Teleskop, die Umwelt- und die Cluster-Satelliten. Ich muß gestehen, daß ich gerne viel, viel mehr über die verwendete Software bzw. deren Hersteller erfahren hätte, fand aber den Einblick auch ohne diese Informationen sehr interessant.

Weiter ging es mit einer Kopie des Rosetta-Satelliten und dessen Kontrollraum sowie diversen Vorträgen zum Thema Weltall, Sterne, Planeten, Klima und Raumfahrt. Besonders interessant fand ich den Vortrag zum Thema Mondlandung, Mondbasis und deren technischen Voraussetzungen von Michael Khan. So weiß ich nun auch endlich, was sog. „Peaks of Eternal Light“ sind und daß eine der großen aktuellen technischen Herausforderungen der Raumfahrt darin besteht, eine punktgenaue Landung z.B. auf dem Rand eines Kraters durchzuführen, statt wie bisher immer in einer der Ebenen.

Auf dem Außengelände befanden sich dann noch weitere Stände, wie z.B. eine kleine Live-Beobachtungsstation mit einem kleinen Spiegelteleskop (dessen Ausbeute sich allerdings wegen des nicht besonders guten Wetters in Grenzen gehalten haben dürfte) und einer Vorführung des Marsroboters CESAR, ein Resultat des 2008 von der ESA ausgeschriebenen „Lunar Robotics Challenge“, der unter anderem in der Lage ist, Krater mit 40% Steigung zu erklimmen und daraus Bodenproben zu entnehmen. Das Besondere an der Challenge war, daß die Roboter sowohl im Dunkeln als auch in hellem Licht funktionieren mußten, der Energieverbrauch nicht über 2 kWh liegen und das Gewicht 100 Kilogramm nicht übersteigen durfte. Des weiteren mußte das Gerät in einen Transportbehälter von gerade mal einem halben Kubikmeter passen. Scheint mit CESAR gelungen zu sein. Äußerlich und von der Funktionsweise her erinnert das Gerät an einen Sportrollstuhl mit Donald-Duck-Füßen.

Ebenfalls sehr interessant war der zweite (wenn auch kürzere) Teil des Abends bei der EUMETSAT, der aus Vorträgen über die sich momentan im Einsatz befindlichen Wettersatelliten und deren Anwendungsgebiete bestand. Weltweit gibt es ca. 11.000 Beobachtungsstationen, die über mehrere Haupt- und Zwischenstationen untereinander vernetzt sind und in kürzester Zeit ihre Daten untereinander austauschen können. So konnten für einen der Vorträge z.B. die aktuellen Daten von Feuerland mit nur ca. einer Viertelstunde Verzögerung abgerufen und in die Analyse eingebettet werden. Sehr aufschlußreich fand ich auch den Hinweis, daß der Nutzen der Wetterdaten beim ca. Zwanzigfachen des Budgets für die eigentliche Beobachtung liegt. Wenn man sich überlegt, was Satellitenprogramme und deren Weiterentwicklung über die Jahre kosten und wer davon letztendlich profitiert (Luft- und Schiffahrt, Wirtschaft und Tourismus etc.), kommt man schon ins Grübeln, ob die Finanzierung derzeit eigentlich optimal geregelt ist.

Insgesamt war es ein toller Abend, und ein ganz besondererer Dank geht an diesen Herrn, der unserer Vierergruppe netterweise zu Presseausweisen verholfen hat, die uns – anders als den anderen Besuchern – einen zeitlich unbegrenzten Aufenthalt auf dem Gelände sowie Zugang zu weiteren Infos ermöglichten. Ich kam mir zwar vor wie ein Hochstapler *g*, aber da wir ja einen waschechten Journalisten in der Gruppe hatten, war ich zumindest gut getarnt. ^^