JunoCam

Juno“ ist eine Sonde der NASA, unterwegs seit August 2011, welche den Ursprung unseres Sonnensystems allgemein und des Planeten Jupiter im Besonderen untersucht.

Neben diversen wissenschaftlichen Instrumenten (die an sich schon einen eigenen Blogeintrag wert wären) befindet sich an Bord auch eine Kamera, genannt „JunoCam“. Ihre Bilder macht die NASA der Öffentlichkeit zugänglich. Viele Besucher der Webseite haben die Gelegenheit bereits genutzt, um die Rohbilder herunterzuladen,  weiterzuverarbeiten und anschließend in die Online-Galerie zu stellen.

Vor einigen Tagen flog Juno über Jupiters „Großen Roten Fleck“. Während aktuell also eher jene Fotos viel Beachtung finden, gefiel mir persönlich eine Region an Jupiters Südpol besser:

Jupiter, Südpol, Detail

Jupiter, Südpol, Detail

Es handelt sich um einen Ausschnitt aus dieser Aufnahme. Die vielen Verwirbelungen erinnern fast an Blütenrosetten und Arabesken. Um sie und die verschiedenen Farbbänder besser zur Geltung zu bringen, habe ich den Ausschnitt gedreht, die Helligkeit angepasst und selektiv einige Farben sowie den Kontrast verstärkt.

Wer Spaß an Bildbearbeitung und Astroaufnahmen hat, findet in Junos Foto-Pool mit Sicherheit ebenfalls lohnenswerte Motive für die eine oder andere Spielerei.

Junos Mission wird voraussichtlich im Februar 2018 enden. Die Sonde verlässt dann den Orbit und stürzt – falls alles nach Plan verläuft – in den Gasplaneten hinein. Wie schon bei anderen Missionen wie ESAs „Rosetta„, dürfen wir auch dabei wahrscheinlich auf weitere spektakuläre Bilder hoffen.


Nachtrag:

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Lunar (Kurzfilm)

Auf Twitter hatte ich es schon vor einer Weile gepostet, doch der Blogeintrag ging dann in der Eile des Alltags leider unter. Hier ist er nun:

„Lunar“ — ein Kurzfilm des Künstlers und Grafikdesigners Christian Stangl in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Wolfgang. Der Film vollzieht anhand zahlloser einzelner Fotos eine Mondlandung nach, ohne auf das eigentliche Filmmaterial von damals zurück zu greifen. Die Kompilation und Animation ist wirklich sehenswert.

(Ich empfehle, nach Möglichkeit auf Qualitätsstufe HD und Vollbildmodus umzustellen.)

Viele der Bilder sind natürlich aus den NASA-Archiven längst bekannt und frei abrufbar. Wer die schönsten davon aber in wirklich guter Qualität auch gerne als Buch hätte, dem möchte ich an dieser Stelle noch das 2016 erschienene „Apollo VII – XVII“ ans Herz legen. Nur mal so als Tipp nebenbei.

Abenteuer Raumfahrt

Massenträgheit, Thermalkontrolle, Lageregelungssysteme, Aerodynamik… Das klingt alles erstmal nicht nach Spiel und Spaß für Kinder. Ist es aber! Diese Themembereiche – und noch einige mehr – sind nämlich in einem Experimentierkasten von Ravensburger vertreten, der mir neulich zufällig unter den Mauszeiger geriet: „Abenteuer Raumfahrt“
Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Credit: Ute Gerhardt, Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Credit: Ute Gerhardt, Experimentierkasten Abenteuer Raumfahrt

Mit einer „echten“ Rakete sogar, und empfohlen für Kinder ab 8 Jahren. OK, meine sind noch 10 bzw. gerade 12 Jahre alt, da bestand also Hoffnung, dass sie den Inhalt verstehen, sich aber noch nicht damit langweilen würden. Und überhaupt: Ich selber will ja schließlich auch meinen Spaß! Also ab in den Einkaufskorb mit dem Kasten, für das nächste verregnete Wochenende. Das ließ nicht lange auf sich warten, und schon saßen wir zu dritt um den Tisch und packten aus:
Inhalt des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Inhalt des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Inhalt des Experimentierkastens

Auf den ersten Blick wirkte der Inhalt etwas verwirrend, aber das ist ja bei den meisten Experimentierkästen so. Viele Teile sahen einander ähnlich, und auf den Gesichtern meiner Kinder machten sich die ersten Fragezeichen breit. Also beschlossen wir das, was man ja eigentlich sowieso tun sollte, mit Kindern aber nicht immer problemlos hinbekommt: Einfach die Anleitung* von vorne nach hinten schrittweise durchlesen, die nötigen Teile für jedes Experiment anhand der Bilder aus dem Bestand heraussuchen — und den Rest erst einmal ignorieren.
Themen des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Themen des Experimentierkastens

Credit: Ute Gerhardt, Themen des Experimentierkastens

Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Anleitung sehr schön aufgebaut ist. Der Hersteller wirft die Kinder nicht einfach mit dem ersten Experiment ins kalte Wasser, sondern erklärt eingangs grob umrissen die Grundlagen sowie ein kleines bisschen zur Raumfahrtgeschichte und baut dann die Experimente inhaltlich aufeinander auf. Trotzdem kann man sie – je nach Vorwissen der Kinder – auch einzeln auswählen und durchführen. Ein weiteres großes Plus des Kastens: Bei Berechnungen, wie zum Beispiel der Veränderung des eigenen Gewichts auf den diversen Planeten, werden nicht nur Tabellen präsentiert, sondern im Anhang auch die Rechenwege erklärt.

Zu jedem Versuch gibt es unter der Überschrift „Was steckt dahinter?“ gut verständliche Erläuterungen über den allgemeinen naturwissenschaftlichen Hintergrund des Experiments. Im Kästchen „Expertenwissen“ wird zusätzlich erklärt, welche Rolle speziell dieses aktuelle Experiment in der Raumfahrt spielt. Unter „Was meinst du?“ werden die Kinder angeleitet, sich auch selbst noch Gedanken zu machen. Zum Beispiel über die Frage, warum die meisten Raketen eine weiße Farbe haben. Oder ob der Mond die gleiche Anziehungskraft hätte wie die Erde, wenn er genauso groß wäre. Die Antworten auf diese Fragen finden sich ebenfalls im Anhang der Anleitung.

Bei einigen Versuchen (Aerodynamik, Thermalkontrolle) war meinen Lütten schon beim Überfliegen des Versuchsaufbaus klar, worauf die Autoren hinaus wollten, weil sie entsprechende Beobachtungen längst anderswo gemacht hatten. Also haben wir diese Experimente übersprungen bzw. für „irgendwann mal“ zurück gestellt.
Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Credit: Ute Gerhardt Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Credit: Ute Gerhardt Flugbahnbestimmung mit Planetenbewegung

Es sind allerdings durchaus auch Themen dabei, die für einen durchschnittlichen Achtjährigen ohne Vorkenntnisse vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen sind. Zum Beispiel die Flugbahnbestimmung hier rechts im Bild: Warum kann man ein Raumschiff eben nicht einfach zack! auf schnurgeradem Weg zu dem Planeten schicken, zu dem man will? Etwa von der Erde zum Mars? Mit etwas Unterstützung durch einen interessierten Erwachsenen wird aber auch das schnell klar, und am Ende hat man schönes Anschauungsmaterial, anhand dessen man das Gelernte immer wieder nachvollziehen kann.

Für manche der Versuche muss man auch raus aus dem Haus und sich sportlich betätigen. Zum Beispiel für die Bestimmung der Fluggeschwindigkeit:
Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Credit: Ute Gerhardt, Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Credit: Ute Gerhardt, Berechnung der Fluggeschwindigkeit

Bei anderen wiederum, wie beim „Lageregelungssystem“, ist etwas Bastelei und Fingerfertigkeit gefragt:

Essig-Natron-Rakete

Credit: Saskia Gerhardt, Essig-Natron-Rakete

Credit: Saskia Gerhardt, Essig-Natron-Rakete

Das Highlight des Kastens ist aber natürlich die mit „Haushaltstreibstoff“ gestartete Rakete. Sie besteht aus einer 0,5 Liter PET-Flasche sowie diversem Zubehör aus dem Kasten und dem Küchenschrank. Hier sind auch schon mal vier Hände für den Zusammenbau erforderlich. Und ich hätte mir gewünscht, dass der Kasten genug Material enthielte, um ggf. auch zwei oder drei dieser Raketen bauen zu können. Denn wenn sie einmal geflogen bzw. wieder auf der Erde aufgeschlagen ist, sind die Leitflügel und der Haltering kaputt und für weitere Versuche nicht mehr zu gebrauchen. Das finde ich ziemlich schade.

Ein weiteres kleines Manko: Es wird leider nicht angegeben, welchen Säuregehalt der Essig haben sollte, den man zusammen mit Natron für den Treibstoff benötigt. Ich hatte nur Balsamico und Reisessig im Haus. Mit denen hat es nicht funktioniert. Mit dem nachträglich gekauften Standard-Apfelessig hingegen schon.

Unsere Rakete flog übrigens auch mit geeignetem Essig erst im zweiten Anlauf. Die Kinder hatten sich für den ersten Versuch ein großes Feld hinter unserem Haus ausgesucht. Dabei aber leider nicht bedacht, dass der Boden vom Regen aufgeweicht war. Der Treibstoff ließ also nicht die Rakete abheben, sondern schoss ein Loch in den Boden. Anschließend kippte die Rakete um und verteilte den Rest des Treibstoffs horizontal zum Feld. Das war zwar auch spektakulär, aber nicht so ganz im Sinne des Erfinders. Na immerhin: Wieder was gelernt. 😉

Der Experimentierkasten war zumindest für uns wirklich kurzweilig und lehrreich. Die Kinder waren zum Teil doch überrascht, wieviel Raumfahrt und Alltag miteinander zu tun haben. Viele Dinge aus dem Kasten kann man auch länger benutzen (Gewichts- und Geschwindigkeitstabellen) oder nach eigenem Interesse abwandeln, wie zum Beispiel den Bremsfallschirm. Manches ist eher für ältere Kinder gedacht, manches eher für jüngere. Alle Kinder werden aber auf mehreren Ebenen angesprochen: Lesen, sich bewegen, basteln, beobachten, und manchmal ist dabei auch Kooperation gefragt. Aus dieser Mischung ergaben sich bei uns auch interessante Unterhaltungen und Konstellationen, die über den Inhalt des Kastens weit hinaus gingen. Wir haben im Verlauf von zwei Nachmittagen so manches zusätzlich gegoogelt, kamen dadurch auf weitere Themen und hatten insgesamt ziemlich viel Spaß.

Fazit: Ich freue mich immer noch über diesen Zufallsfund. Wenn man ahnt, dass das betreffende Kind Interesse haben könnte, ist er ein prima Geschenk. Mit etwas Glück darf man sogar mitspielen.


* Kleiner Kritikpunkt: Die Tipp- und Das/Dass-Fehler in der Anleitung

Die Astronautin. Ich bin verwirrt.

Bisher war noch keine deutsche Frau im All, aber das soll sich jetzt ändern. In Bremen wurden heute sechs Finalistinnen vorgestellt, die in einem knapp ein Jahr dauernden Bewerbungs- und Auswahlverfahren aus rund 400 Kandidatinnen ausgesucht wurden. Zwei von diesen sechs wiederum sollen für einen zehntägigen Aufenthalt auf der ISS trainiert werden. Diese Finalistinnen sind hochqualifiziert, darunter eine (lt. WDR 2) Eurofighter-Pilotin, eine Astrophysikerin, eine Meteorologin – alle gut ausgebildet, offensichtlich fit und höchstwahrscheinlich eine brauchbare Ergänzung für jedes Team auf der ISS.

So weit, so gut. Stutzig macht allerdings Folgendes: Die Kandidatinnen wurden nicht wie z.B. Alexander Gerst im üblichen Verfahren von ESA und DLR rekrutiert und präsentiert, sondern von einem Bremer Manpower-Unternehmen namens HE Space. Das Ganze läuft unter dem Titel „Die Astronautin“ und hat eine eigene Webpräsenz. Doch dort ist von Partnern die Rede, die samt und sonders kommerzielle Unternehmen sind. ESA und DLR finden sich in dieser Liste erstmal nicht:

dieastronautin
Screenshot http://www.dieastronautin.de, 01.03.2017

Film, Fitnessberatung, PR-Unternehmen, Business-Consultants, „Management Concept“, Kommunikationsberater. Es ist zu bezweifeln, dass diese Firmen sonderlich viel von Raumfahrt und Medizin verstehen. Eher nehme ich als Außenstehende an, dass sie sich rein finanziell bzw. als geschäftliche Berater an Auswahl und Training der Damen beteiligt haben und beteiligen werden. Und so wird als Ansprechpartner für die Presse in der Tat der Partner Loesch Hund Liepold genannt. Das ist in einem solchen Zusammenhang zwar ungewöhnlich, aber auch kaum zu beanstanden. Nur: Wie fand dann überhaupt die Beurteilung und Auswahl der Kandidatinnen statt? Deren physische und psychische Eignung festzustellen ist ja nun beileibe kein trivialer Vorgang, den man ein paar Fitnessberatern wie Five & Fit überlassen könnte.

Ah, OK, die Grundauswahl hat das DLR übernommen. Im Gegenzug hat der Vorgang ihnen die medizinischen Daten von 400 jungen Frauen beschert. Gut, eine Win-Win-Situation für HE Space und DLR. Aber wie geht es weiter? Nun geht es doch eigentlich überhaupt erst richtig los, denn wenn die Damen wie anvisiert 2020 zur ISS wollen, müssen sie zügig und ernsthaft ins Training einsteigen. Und das ist aufwändig und teuer.

Die teilweise Auflösung erfolgte heute umgehend: „Die Astronautin“ hat heute(!) … [Trommelwirbel] … ein sogenanntes „Crowdfunding“ gestartet.

Richtig gelesen. Die erste Trainingsphase der Damen soll durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert werden. Konkret stellen sie sich das folgendermaßen vor:

„Mit Erreichen der Fundingschwelle von 50.000 Euro finanzieren wir:

Tauchschein 10.400 Euro
Training Grundlagen Raumstation 19.600 Euro
Überlebenstraining 19.600 Euro

Mit Erreichen des Fundingsziels von 125.000 Euro finanzieren wir außerdem:

Trainings für Fitness, Russische Sprachkenntnisse und Medienkompetenz 21.400 Euro
Belastbarkeitstraining 43.400 Euro
Technische Grundlagenkenntnisse – Raumfahrttechnik Seminare 10.700 Euro

Mit Überschreiten des Fundingsziels verwirklichen wir:

Parabelflüge 87.500 Euro
Sozialkompetenz-Training 16.000“

Quelle: https://www.startnext.com/dieastronautin

Zeitrahmen für die Spendensammlung: 60 Tage.
Joah… Kann man probieren. Wirkt aber doch irgendwie alles seltsam improvisiert. Vom späteren Platz in einer Raumkapsel ganz zu schweigen; alleine da sind wir bei Größenordnungen von 80 Millionen Euro. Orion, SpaceX, Boeing, Russland oder China schweben „Die Astronautin“ als Taxiunternehmen wohl vor. Schon stand ich vor dem nächsten Rätsel. Wo soll das ganze Geld dafür denn dann schon wieder her kommen? Spätestens da ist doch Feierabend mit Spenden? Da müssen doch mal Profis ran? Die Verwirrung auch in meiner Twitter-Timeline wuchs mit jedem neuen Detail aus Bremen. Aber man ist ja einigermaßen gut vernetzt, und so wandten wir uns an einen mir auch persönlich bekannten Herrn, der in die ganze Veranstaltung nun auch involviert schien:

„Proud to be on the team that is enabling the first female German astronaut to fly to ISS in 2020. These are the final six!“
(https://twitter.com/timmermansr/status/836890845299245056)

„If ESA supports them, as a European agency, surely there are some reports about that somewhere online?“
(https://twitter.com/Leaving_Orbit/status/836896392517992449)

Die Antwort war allerdings wiederum reichlich kryptisch:

„The support structure is being developed by the team right now. News will be shared when things are final“
(https://twitter.com/timmermansr/status/836899666486837249)

Moment. Wie jetzt? Die Damen müssten eigentlich schleunigst mit dem Training loslegen, aber das Unterstützernetzwerk in der Raumfahrt wird erst jetzt überhaupt in Angriff genommen? Das kann doch nicht sein? Mehr Details waren heute allerdings nicht in Erfahrung zu bringen. Was wohl auch so gewollt ist. Warum auch immer.

Darf ich ganz ehrlich sein? Ich finde diese Vorgehensweise ziemlich merkwürdig. Warum wurden diese Frauen nicht von der ESA rekrutiert, wie alle männlichen Astronauten auch? Hatten sie sich nicht beworben? Waren sie für deren Standards nicht gut genug? Eine jetzt vielleicht doch stattfindende aber noch halb unterm Deckel gehaltene Beteiligung der Raumfahrtbehörde an „Die Astronautin“ hätte in der Außenwirkung salopp gesagt einen Touch von „Och, is ja ’n Ding! Die Mädels können ja echt was?! Na, dann machen wir vielleicht doch mal mit.“ Der Beigeschmack ist jedenfalls seltsam. Eine Rektrutierung und Ausbildung auf dem üblichen Weg wäre meines Erachtens wesentlich besser gewesen.

Aber gut, gehen wir also mal davon aus, dass die ESA (oder sonstwer) da jetzt mit einsteigt und mit dafür sorgt, dass diese zwei Damen tatsächlich zur ISS kommen. „It will happen“, laut Aussage des bereits zitierten Herrn. Was machen die Damen dann da? Ferien wohl kaum. Forschung also? Was denn, und vor allem für wen? „… Um dort unter anderem „Aufschlüsse zu hormonellen Veränderungen, Sehbeeinträchtigung und psychologische Auswirkungen zu liefern“, heißt es in der Pressemitteilung des DLR. Prompt taucht bei mir schon das nächste Fragezeichen auf. Der weibliche Zyklus hat eine durchschnittliche Länge von ca. 28 Tagen und umfasst die Follikelphase (~50%), den Eisprung und die Lutealphase(~50%). Was sollen da zehn Tage auf der ISS bringen? Und sollte man dann nicht auch mehrere Zyklen hintereinander, damit der Körper sich überhaupt erst einmal umstellen kann…?

Aber auch hier wartete eine weitere Überraschung in den Medien, denn über die Rolle der Damen auf der ISS scheint man sich nicht ganz einig zu sein. Die im Hinblick auf das ganze Unterfangen eher pessimistische „ZEIT“ zitiert den Sprecher des DLR mit der Aussage, die Auswahl sei ja eigentlich „auf den speziellen Fall einer kommerziellen Weltraumtouristin zugeschnitten“ gewesen. Claudia Kessler, Initiatorin von „Die Astronautin„, gibt im Widerspruch dazu bekannt, die erste Deutsche im All solle „nicht als Angestellte einer staatlichen Einrichtung wie der NASA oder ESA, sondern im Auftrag von HE Space, die die Astronautenzeit dann an potenzielle Nutzer verkaufen kann“ zur ISS.

Mooomang! Was denn nun? Touristin, Forschungsobjekt oder Forscher? Und biddewas? Ein durch Spenden und – im Fall einer Beteiligung der ESA – dann teilweise evtl. steuerfinanziertes Projekt soll am Ende kommerziell werden? Und die Arbeitsergebnisse kommen dabei wem zugute? Werden die wenigstens offengelegt? Kann man das alles bitte mal ein wenig transparenter machen, bevor das Hurrageschrei und Spendengebettel losgeht? Es mag ja sein, dass das alles völlig konsistent ist und seine Ordnung hat, aber erkennbar ist die für Außenstehende zum jetzigen Zeitpunkt nun wirklich nicht.

Und noch was: Bitte wie will dieses Projekt in 60 Tagen auch nur 50.000 Euro zusammenbekommen? Auf Twitter haben sie weit weniger Follower als ich kleines Astro-Muttchen. Sie melden sich dort kaum zu Wort, gehen kaum auf Ansprache von Followern ein, sondern verstehen sich offenbar rein als Sender. Das können sich auf Twitter eigentlich nur ganz große Organisationen oder Promis mit Millionen von Followern leisten, ohne auf Dauer als arrogant oder ahnungslos dazustehen. Keinesfalls aber ein Startup, das von seinen Fans in kürzester Zeit ordentlich Kohle sehen will.
Obendrein werden auf der Facebook-Fanseite seit Eröffnung des Crowdfundings eher Erstaunen, Mitleidsbekundungen und Entsetzen laut, dass das Ganze über Spenden finanziert werden soll, statt als reguläre Astronautin der ESA. Ihre Webseite bietet zudem nicht einmal eine englische Version des Crowdfunding-Textes an. Damit ist schon mal die erste große Chance vertan, international finanzielle Unterstützung zu erhalten. Gerade heute, als der Wirbel um das Unterfangen am größten war, hätte direkt eine Übersetzung zur Verfügung stehen müssen. Zum Zeitpunkt dieses Blogposts sind gerade mal 1.100,- Euro von 27 Unterstützern zusammengekommen, und in den nächsten Tagen und Wochen wird das Interesse eher abflauen als zunehmen. Die heutige Chance ist somit sinnlos vertan. Wozu hat „Die Astronautin“ bloß Kommunikationsberater als Partner? Das Ganze ist m.E. eher ein Paradebeispiel, wie man nicht (nicht) kommunizieren sollte.

Fragen über Fragen. Ich bin gespannt, wie bzw. ob das weitergeht. Und was passiert eigentlich, wenn das Geld nicht zusammenkommt? Das DLR ist da nämlich etwas weniger optimistisch als der Herr auf Twitter: „‚Man kann nicht sagen, dass das Vorhaben gelingen wird – aber eben auch nicht, dass es scheitert‘, sagt Schütz vom DLR.“
(Quelle: ZEIT online)

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Nachtrag, 02.03.2017: Durch einen aufmerksamen Leser wurde ich darauf hingewiesen, dass der genannte Herr auf Twitter nicht im Auftrag der ESA auf der Veranstaltung unterwegs war. Der Text ist nun dahingehend angepasst.

Iridum, ISS, Iridium

Credit: Ute Gerhardt | Dortmund, 9. Dezember 2016, 20:55 UTC+1, Skywatcher Maksutov MC 127/1500, Canon EOS 1200D, ISO 200, 1/60s. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Credit: Ute Gerhardt | Dortmund, 9. Dezember 2016, 20:55 UTC+1, Skywatcher Maksutov MC 127/1500, Canon EOS 1200D, ISO 200, 1/60s. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Im Dezember hatte ich Glück: An acht aufeinanderfolgenden Tagen war das Wetter gut genug, um den zunehmenden Mond zu fotografieren. Eine der Aufnahmen, vom 9. Dezember, zeigt im oberen Viertel den sogenannten „Goldenen Henkel“: Am Terminator, der Tag- und Nachtgrenze also, wird das bogenförmige Gebirge Montes Jura bereits von der Sonne angestrahlt, während davor die vom Gebirgszug umfasste Ebene Sinus Iridum gerade eben noch im Schatten liegt. Das ist meist am 9. Tag nach Neumond für relativ kurze Zeit der Fall; ich habe es hier gerade eben noch erwischt.

Überhaupt: Der Mond. Dieses auffällige, dicke, helle Ding ist wohl für viele angehende Astrofotografen das Erste, was sie sich vorknöpfen. Um den Mond zu erwischen, braucht man nicht zwangsläufig ein Teleskop und auch keine Montierung mit Nachführung. Man findet ihn am Himmel leicht, er ist hübsch und abwechslungsreich, und man kann ihn auch in einer Einzelaufnahme ohne Stacking und sonstiges Gedöns gut einfangen. Meine Leser wissen das – ich habe sie ja mittlerweile oft genug mit Mondaufnahmen genervt beglückt.
Aber da oben am Himmel schwirrt ja noch viel mehr herum.
Zum Beispiel Satelliten.

Im Oktober 2016 hielt Stefan Gotthold einen Vortrag zur ISS-Fotografie an der Starkenburg-Sternwarte Heppenheim. Anschaulich legte er dar, dass man diesen größten aller künstlichen Satelliten durchaus auch ohne Profiausrüstung fotografieren kann. Dabei kann man die ISS entweder mit großer Brennweite schrittweise bei einem Transit vor Mond oder Sonne ablichten, so dass sie als Silhouette vor dem Himmelskörper erkennbar ist. Alternativ kann man auch mit kleiner Brennweite die Lichtspur bei ihrem Überflug festhalten. Zusammengesetzt aus vielen Einzelaufnahmen mit jeweils einem Teil der Spur, sieht man auf dem fertigen Komposit am Ende genau, wo die ISS entlang geflogen ist. Ich hatte schon zuvor davon gehört, und mich reizte die Idee, dass nicht nur die Crew der ISS Fotos diverser Gegenden von oben schießt, sondern auch umgekehrt die Bewohner der Städte und Dörfer ihrerseits die ISS fotografieren. Nach einem Blick auf heavens-above.com stellte ich schnell fest, dass ein Transit an meinem Wohnort erst wieder Mitte Januar 2017 vorkommen würde. (Aber fragen Sie jetzt bitte nicht, zu welch unmöglicher Uhrzeit…) Reine Überflüge zu geeigneten Zeitpunkten gab es allerdings doch einige. Als dann im Dezember auch endlich das Wetter wieder mitspielte, versuchte ich es.

Credit: Ute Gerhardt | ISS über Dortmund, 19. Dezember 2016, 18:14 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 5s, Komposit aus 39 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Credit: Ute Gerhardt | ISS über Dortmund, 19. Dezember 2016, 18:14 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 5s, Komposit aus 39 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Im Gegensatz zum Mond muss man hier allerdings schon im Voraus wissen, welchen Teil des Himmels man später fotografieren wird. Die Kamera erst beim Erscheinen der ISS auszurichten, funktioniert nicht, denn die Raumstation ist nur sehr wenige Minuten lang sichtbar. Man würde sie sonst verpassen. Wenn man die Himmelsrichtungen kennt, ist das allerdings kein Problem. Die ISS fliegt immer von westlicher in östliche Richtung über uns hinweg, und die genaueren Details nennt uns das schon verlinkte Tool „Heavens Above“. Bei kurzer Brennweite ist die Wahrscheinlichkeit doch ziemlich groß, dass man das richtige Areal abdeckt. Vorausgesetzt, man hat auch die richtige Höhe eingestellt, denn die kann beim Überflug doch ziemlich variieren.

Nun habe ich zwar ein Stativ mit Drei-Wege-Neiger, der mir auch Rektaszension und Deklination anzeigt, aber mit der Software (APT) und dem Fernauslöser hatte ich zunächst zu kämpfen, denn ich hatte noch nie zuvor schnell aufeinander folgende Serienaufnahmen gemacht. Der erste Versuch funktionierte zwar, aber die Aufnahmen waren leicht unscharf und lagen zeitlich zu weit auseinander. Dadurch ergaben sich beim fertigen Komposit große Lücken in der Lichtspur der ISS. Vorzeigbar war eigentlich erst der vierte Versuch, ohne APT, der oben zu sehen ist. (An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Michael Khan vom Go-for-Launch-Blog für seine geduldige Fehleranalyse und Hilfe.)

Aber was sieht man da nun eigentlich? Es ist nicht, wie von einigen auf Twitter und Facebook vermutet, die Bordbeleuchtung der Raumstation, sondern es handelt sich auch hier, wie beim Mond, um reflektiertes Sonnenlicht. Die Bordbeleuchtung der ISS ist viel zu schwach, um auf Fotos sichtbar zu werden. Ihre Sonnenkollektoren hingegen bieten eine hervorragende Fläche für Reflexionen. Nun ist die ISS wie gesagt ziemlich groß, mit ihren 450 Tonnen Gewicht und 108 Metern Länge. Was ist mit kleineren Satelliten? Kriegt man die auch aufs Bild?

Es kommt drauf an. Wenn der jeweilige Satellit Flächen hat, die das Sonnenlicht ebenfalls gut reflektieren, dann stehen die Chancen gut, zumindest seine Reflexion zu fotografieren. (Den Satelliten beim Transit als Silhouette abzulichten, wie bei der ISS, dürfte hingegen für Amateure extrem schwierig werden.) Prima geeignet sind zum Beispiel die jeweils nur wenige Hundert Kilogramm schweren Iridium-Satelliten mit ihren Antennen. Letztere bestehen aus Aluminium, sind mit Teflon beschichtet und funktionieren als Spiegel so gut, dass ihre Lichtspuren von der Erde aus betrachtet zigfach heller als die Venus erscheinen können. Allerdings dauert dieses Schauspiel nur wenige Sekunden. Auf der anderen Seite gibt es aber über 60 dieser Satelliten und sie haben eine kurze Umlaufzeit. Aufgrunddessen kann man an ein und demselben Ort oft mehrere Flares pro Tag beobachten und fotografieren.

Credit: Ute Gerhardt | Iridium-Flare über Dortmund, 06. Januar 2017, 19:03 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 13s, Komposit aus 5 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Credit: Ute Gerhardt | Iridium-Flare über Dortmund, 06. Januar 2017, 19:03 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 13s, Komposit aus 5 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Genau das habe ich gestern erstmals ausprobiert. Da es sich im Prinzip um dasselbe Vorhaben handelt wie bei der ISS, ging ich beim Iridium-Flare auch technisch ganz ähnlich vor: Die Kamera wird vorab auf die passenden Koordinaten ausgerichtet, die Belichtungszeit beträgt einige Sekunden. In diesem Fall hatte ich allerdings 13 statt 5 gewählt, in der Hoffnung, den gesamten Flare auf eine einzelne Aufnahme bannen zu können. Drei Dinge stellten sich dabei heraus:

1. Ich hätte schon eher mit der Serienaufnahme anfangen müssen, denn erstaunlicherweise war der gestrige Flare über Dortmund (19:03 UTC+1) fast 50 Sekunden lang sichtbar. OK, ich wohne in einer relativ dunklen Gegend, aber damit hatte ich nicht gerechnet.
2. Meine Dachrinne passt farblich und stilistisch nicht in die Komposition.
3. Germanwings Flug 4U4062 DTM-MUC startete gestern mit 20 Minuten Verspätung.

Dummerweise war der A319 auf genau den zwei Aufnahmen mit drauf, die das Zentrum des Iridium-Flares erfasst hatten. Ich habe erst noch überlegt, ob ich seine Lichtspur aus dem Bild schneiden kann, musste dann über dieses Photobombing aber so grinsen, dass ich die Aufnahmen einfach so ließ. Better luck next time.

In diesem Sinne: Frohes neues Jahr und Clear Skies!

Nachtrag, 18.01.2017: Michael Khan weist in seinem Blog darauf hin, dass die aktuelle Generation von Iridium-Satelliten nun nach und nach außer Betrieb genommen und bis Mitte 2018 durch modernere Exemplare mit neuem Design ersetzt wird. Diese produzieren keine Flares mehr.

Herbst von oben und von unten

IMG_1425_kleinDer schönste Planet unseres Sonnensystems ist meines Erachtens doch die Erde, und der Herbst mit seinen großartigen Naturfarben steht für mich den anderen Jahreszeiten an Schönheit in nichts nach.

Dass man den Farbwechsel des Laubes sogar aus 400 Kilometern Höhe noch erkennen kann, zeigt dieser Tweet des japanischen Astronauten @Astro_Kimiya vom 19. Oktober 2016. Seine Aufnahme, die, soviel ich herausfinden konnte, vom Oktober 2015 stammt, zeigt den Fortschritt der Laubfärbung auf den japanischen Inseln (Honshu, um genau zu sein), gesehen von der ISS. Im Norden ist bereits viel Rot zu erkennen, im Süden immerhin einiges in den höher gelegenen Gegenden.

Auch meinen Lesern wünsche ich einen wunderschönen bunten Herbst! Genießen Sie die Farben; in ein paar Wochen sind sie schon wieder weg.