Jupiter. Wieder viel gelernt.

Pünktlich zur Anschaffung des Mak vor ein paar Wochen gab es natürlich nicht nur schlechtes Wetter, sondern es verdrückten sich auch noch sämtliche Planeten samt Mond vom Nacht- an den Morgenhimmel. Das war ein bisschen doof, denn über das Alter der durchzechten Nächte bin ich inzwischen hinaus, während aber dasjenige der senilen Bettflucht offensichtlich noch auf sich warten lässt.

Aber was tut man nicht alles, wenn man denn endlich mal schönes Wetter, ein Teleskop und Kameras zum Experimentieren hat? Man steht sogar eine Stunde vor dem eigentlichen Weckerklingeln auf, um beispielsweise zur Abwechslung mal den Jupiter einzufangen.

Jupiter

Jupiter und (von unten) Kallisto, Io, Europa und Ganymed. Dortmund, 06:24 UTC+2, Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D II, ISO 3200, 0,3 s

Nachdem bisher immer der Mond als Fotomodell herhalten musste, war dies mein erster Versuch, einen Planeten zu erwischen. Tja, und von ca. 30 Fotos mit verschiedensten Einstellungen sind gerade mal vier halbwegs brauchbar geworden. Der Rest war zu hell und verwischt, zu dunkel und verwischt, dann wieder scharf, aber zu detailarm, und, und, und. Mal sieht man die Streifen des Jupiter, aber dessen Konturen sind verwaschen und die die Monde sind weg. Dann wiederum sieht man die Monde recht plastisch, aber der Planet ist überstrahlt, so wie auf dem obigen Foto. (Zugeschnitten, aber ansonsten unverändert.) Da hilft auf die Dauer wohl nur ein Komposit bzw. Stacking, nehme ich an. Und vermutlich wäre es daher auch sinnvoller, statt einzelner Fotos ein Video aufnzunehmen. Ob das aber ohne Nachführung überhaupt einen Sinn hat, möchte ich bezweifeln. Denn so schnell, wie mir die Planeten aus dem Gesichtsfeld rasen, bekäme ich nur Aufnahmen von bestenfalls ein paar Sekunden hin. Über kurz oder lang steht also wohl die nächste Anschaffung ins Haus. ;-)

Aber immerhin ist mir bei den bisherigen Experimenten eines klar geworden: Fotos von ganzen Konstellationen samt Landschaft sind zwar sehr schön anzusehen, reizen mich persönlich aber bei meinen eigenen Versuchen überhaupt nicht. Ich möchte „nah ran“ und Details sehen, so wie beim Mond der letzten Wochen, so wie heute morgen, so wie damals im Verein, und so wie eigentlich auch schon als Kind mit dem Fernglas meines Vaters. Optisch dort hin reisen, wo ich persönlich nie hin gelangen werde. Eine Ausnahme könnte die Milchstraße sein, von der Mitblogger Jan Hattenbach vor einer Weile großartige Aufnahmen aus Chile gepostet hat. Die Milchstraße allerdings bekommt man hier erst im tiefsten Sauerland zu sehen – wenn überhaupt.

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Planetenforschung im Vulkan

„Was bringt uns das alles hier unten eigentlich?“ Diese Frage ist die häufigste, die man mir stellt, wenn ich erzähle, dass ich mich für Raumfahrt interessiere. Ich kann mir dann meist ein Grinsen nicht verkneifen. Denn wider Erwarten bringt uns die Raumfahrt sehr konkret eine ganze Menge, und meist sind die Fragesteller ziemlich überrascht, wenn man sie damit konfrontiert.

Da hätten wir zum Beispiel die ganzen technischen Spin-Offs der Raumfahrttechnologie. Sie werden an vielen und oft völlig unerwarteten Orten und Gelegenheiten im irdischen Alltag angewendet, obwohl sie ursprünglich rein für die Raumfahrt entwickelt wurden.

VolcanoBot 1, Bild: NASA/JPL-Caltech

VolcanoBot 1, Bild: NASA/JPL-Caltech

Manchmal läuft es allerdings auch genau anders herum und Raumfahrtagenturen entwickeln gezielt Technologien und Geräte für irdische Anwendungen. Nicht ganz uneigennützig, zugegeben. Sie hoffen, diese Geräte später eventuell auch auf anderen Himmelskörpern einzusetzen oder wenigstens Rückschlüsse auf die dortigen Vorgänge ziehen zu können. Das jüngste Beispiel für solche Projekte ist 30 bzw. 25 Zentimeter breit, knapp 20 Zentimeter hoch und streift auf zwei Rädern in 25 Metern Tiefe durch vulkanische Eruptivspalten: Der VolcanoBot.

Vulkane zu erforschen ist ziemlich trickreich und gefährlich. Heiße und giftige Gase aus Eruptivspalten setzen nicht nur Lebewesen, sondern wegen der Korrosion auch herkömmlichen Erkundungsrobotern schnell Grenzen bei der Erforschung. Oft reicht es schon aus, nur in die Nähe der Spalten zu kommen. [1] Menschen haben also kaum eine Chance, die Vorgänge im Inneren direkt zu beobachten. Es sei denn, sie legen keinen gesteigerten Wert darauf, anschließend noch davon berichten zu können.

Die Wissenschaftler wissen daher auch längst nicht so viel über Vulkane, wie ihnen lieb wäre. Wie genau sind Vulkane entstanden und aufgebaut? Warum brechen die einen häufig aus und andere nicht? Was passiert in und unter ihnen, bevor sie ausbrechen? Wo kommen die Schadstoffe her, die sie ausstoßen? [2]
Es gibt natürlich Erklärungsmodelle. Diese sind allerdings sehr vereinfacht. Warnungen vor Vulkanausbrüchen und die Vorhersage von Zeitpunkt, Intensität und Dauer fallen für die Bevölkerung daher oft unbefriedigend vage aus.

Wichtig wären detailliertere Antworten auf die obigen Fragen allerdings nicht nur im Hinblick auf die Erde und die Sicherheit der Anwohner. Denn Vulkane, erloschen und aktiv, gab und gibt es auch auf anderen Himmelskörpern wie dem Mond, Mars, Merkur, dem Jupitermond Europa usw. Vom Mars weiß man mittlerweile sicher, dass auch seine Vulkane Eruptivspalten aufweisen; beim Mond vermutet man es. Wüsste man mehr über die irdischen Vulkane, könnte man nicht nur die Vorhersagen verbessern, sondern Planetenforscher könnten auch die Modelle für die anderen Himmelskörper anpassen und mehr über deren Entstehung und Eigenschaften ableiten. Es wäre also in der Tat allen Beteiligten gedient, um auf die eingangs gestelle Frage nach dem Nutzen zurück zu kommen. Inklusive DemSteuerzahler™.

VolcanoBots 1 und 2, NASA/JPL-Caltech

VolcanoBots 1 und 2, NASA/JPL-Caltech

Carolyn Parcheta und ihr Team aus Geologen und Ingenieuren entwickelten daher am Jet Propulsion Laboratory den VolcanoBot 1, der mit 30 cm etwas größer war als sein aktuelles Nachfolgemodell VolcanoBot 2. Sie stützten sich dabei auf das Konzept der etwas älteren „Durable Reconnaissance and Observation Platform“ (DROP) ihres Teamkollegen und Robotik-Experten Aaron Parness. Modifiziert und optimiert für den Einsatz in Vulkanen kam der Bot in den Spalten des Maunt Kilauea auf Hawaii im Mai 2014 erstmals zum Einsatz. Er lieferte den Forschern Daten, aus denen sie zentimetergenaue 3D-Modelle der Eruptivspalten erstellen können – ein großer Fortschritt gegenüber den bisherigen Schätzungen bzgl. der Ausmaße und Beschaffenheit der Spalten. Der kompaktere und technisch verfeinerte VolcanoBot 2 soll im März 2015 ebenfalls eine inaktive Spalte des Kilauea erforschen und dabei in noch größere Tiefen vordringen. Der neue Bot hat lt. Auskunft der NASA einen stärkeren Motor, kleinere und wendigere Räder und kann seine Kamera auf und ab bewegen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger sendet er seine Daten auch nicht per Funk aus der Vulkanspalte an die Oberfläche, sondern speichert sie an Bord und schickt sie über eine elektrische Verbindung an die Forscher.

Parchetas Team wurde mit diesem Projekt Zweiter in der „National Geographic’s Expedition Granted campaign„.
Ein direkter Einsatz auf einer Raumfahrtmission ist derzeit für den Bot nicht geplant. Ich denke jedoch, dass sein Design für zukünftige entsprechende Projekte zumindest eine gute Grundlage darstellt.

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[1] „Tote Vögel an der Eruptionsspalte, erneute Warnungen“ http://icelandreview.com/de/news/2014/09/22/tote-voegel-der-eruptionsspalte-erneute-warnungen

[2] „Isländischer Vulkan verblüfft Wissenschaftler“ http://www.spektrum.de/news/islaendischer-vulkan-verbluefft-wissenschaftler/1316400

ExoMars-Deal zwischen ESA und Roskosmos perfekt

Ich merke schon: Über ein spezifisches Thema zu bloggen, hat’s in sich. Während man im Hintergrund noch an einer älteren, längeren Sache bastelt, überholen einen die aktuellen Ereignisse:

Ein Tweet von @FlorencePorcel machte mich gestern darauf aufmerksam, dass die 2003 erstmals angedachte Mission „ExoMars“ nun tatsächlich durchgeführt werden soll. Neuer Kooperationspartner der ESA ist die russische Raumfahrtagentur Roskosmos.

Ursprünglich war diese Mission für 2009 vorgesehen, damals noch mit der NASA als Kooperationspartner. Diese jedoch signalisierte in 2011 finanzielle Probleme und zog sich aus dem Projekt zurück.

ExoMars konzentriert sich im Gegensatz zu Spirit und Opportunity nicht auf geo-, sondern auf biologische Untersuchungen, ähnlich wie, aber mit größerem Leistungsspektrum als Curiosity. Zudem handelt es sich um eine Doppelmission:

Vorgesehen ist, Anfang 2016 zunächst den sogenannten „Trace Gas Orbiter“ vorauszuschicken. Ausgestattet mit Detektoren, Kamera und Spektrometern soll er die Atmosphäre bzw. den Boden des Planeten auf Gase bzw. wasserhaltige Mineralien untersuchen, welche evtl. auf Spuren von (ehemaligem) Leben hinweisen könnten. Er dient darüber hinaus später auch als Relaisstation für die Kommunikation mit dem eigentlichen ExoMars-Rover.

ExoMars der ESA auf der ILA 2006 (Berlin)

Bildquelle: Thomas Hagemeyer

Dieser folgt dem Orbiter in 2018. Seine Aufgabe ist die gezielte Suche nach früherem oder gar noch existierendem Leben auf dem Mars. Da ein solcher Fund auf der seit Jahrmilliarden exponierten Oberfläche des Planeten sehr unwahrscheinlich ist, wird der Rover Bodenproben aus ca. zwei Metern Tiefe entnehmen und mittels einer umfangreichen Ausrüstung analysieren. Im Jahr 2003 hatte die ESA einen Ideenwettbewerb zur Nutzlast des Rovers gestartet. Es wäre interessant zu wissen, ob es einige der damaligen Vorschläge auf den neuen Rover schaffen werden – und wenn ja, welche.

Der Transport von Bodenproben zurück zur Erde ist jedoch nicht geplant. Auch dieser Rover wird, wie seine Vorgänger, nach Ende der Mission auf dem Mars verbleiben.

Bis 2016 sind es nur noch 3 Jahre. Hoffen wir, dass die beteiligten Agenturen und Unternehmen dieses ehrgeizige Ziel tatsächlich erreichen und nicht wieder etwas dazwischen kommt.