Deep Space Gateway

Sie wird seit Jahren von den internationalen Raumfahrtorganisationen geplant, aber erst vor ein paar Tagen rückte sie durch die Berichterstattung der Medien ins öffentliche Interesse: Die sogenannte Cislunar Station, oder auch das „Deep Space Gateway“ (DSG), das sich eben im cislunaren Raum, also zwischen Erde und Mond befinden soll. Man könnte nun einwenden, dass man hier nicht wirklich von „Deep Space“ sprechen sollte, da wir uns immer noch im Bereich von Mond und Erde bewegen. Aber die Bezeichnung hat weniger mit der Position als vielmehr mit dem Zweck des Projektes zu tun. Dazu später mehr.

Was hat man sich nun also unter diesem Gateway vorzustellen?
Im Grunde handelt es sich um eine weitere Raumstation mit mehreren Modulen, in denen die Astronauten arbeiten, forschen und wohnen können. Des weiteren wird es ein Modul für die Energiegewinnung und den Antrieb („PPB“ genannt) geben, ein Modul mit einer Luftschleuse für Außenbordaktivitäten und ein Logistikmodul namens ESPRIT alias LCUB (Logistics Communication and Utilization Bay), welches den PPB in seinen Funktionen unterstützen soll. Plus zeitweilig natürlich die Orion-Kapsel für den Transport der Besatzung zur Station bzw. zurück zur Erde. Die Kapsel wird anfangs auch als Kommandozentrale der noch unfertigen Station fungieren. Erstmals in der bemannten Raumfahrt wird man übrigens beim Antriebsmodul des DSG Ionentriebwerke einsetzen. Weitere Energiequelle sind Solarpanele mit 40kW Leistung.

Ebenfalls vorgesehen sind daneben noch ein Roboterarm und ggf. auch ein robotischer Mondlander.

(Ich empfehle übrigens wirklich einen Klick auf die obigen Links. Sie enthalten sehr gut aufbereitete Grafiken zum Aufbau des DSG, plus sehr viele weitere Informationen.)

Das DSG. Bildquelle: NASA

Das DSG. Bildquelle: NASA

Insgesamt ist das Deep Space Gateway aus Ressourcengründen zunächst wesentlich kleiner als die ISS. Mit sechs Mitgliedern wäre das DSG bereits überbesetzt. Auf der ISS ist diese Teamgröße hingegen Standard, und wenn es absolut sein müsste, könnte sie auch neun Menschen beherbergen. Allerdings gibt es beim DSG von vornherein die Option, es um zusätzliche Module zu erweitern. Wie groß das Gateway also am Ende tatsächlich sein wird, steht noch nicht fest.

 

Die neue Station wäre im Gegensatz zur ISS auch nicht permanent besetzt. Nach den bisherigen Plänen sollen zunächst vier Besatzungsmitglieder für nur wenige Wochen im Jahr auf der Station arbeiten.

Während der restlichen Zeit können die Bordinstrumente selbständig laufen und ihre Daten an die Kontrollzentren funken. Hierfür sehen die Planer unter anderem einen Orbit vor, der – ganz grob erklärt – die Station in elliptischen Bahnen den Mond umkreisen lässt. Der Abstand zum Mond beträgt dabei zwischen 1.500 und 70.000 km.

Gemeinsam umkreisen Mond und Station wiederum die Erde. Dabei nähert sich die Station regelmäßig einem der Mondpole an und kann dies für genauere Messungen und Untersuchungen nutzen.

Auf diese Art kann die Station im All „geparkt“ und gleichzeitig weiter genutzt werden. Was sich so trivial anhört, ist im Detail allerdings doch etwas komplizierter: (1)

Insgesamt sind bei diesem Modell drei Körper (Erde, Mond, Raumstation) zu berücksichtigen, nicht nur zwei (Erde, Raumstation) wie bei der ISS. Alleine schon die genannte regelmäßige Annäherung an den Mond und dessen Schwerkraft bewirkt Bahnabweichungen, die anschließend wieder korrigiert werden müssen. (Kanada schlägt hierfür übrigens ein Solarsegel als Hilfssystem vor.)

Je höher die Anzahl der Parameter, desto komplexer und somit fehleranfälliger werden jedoch die Berechnungen. Gleichzeitig müssen sie aber eine gewisse Toleranz aufweisen, um natürliche Schwankungen und kleinere technische Fehler oder Ungenauigkeiten auszugleichen. All das ist um so wichtiger, als man das Deep Space Gateway in Notfällen bei weitem nicht so schnell erreichen kann wie die ISS. Letztere umkreist die Erde in nur 400 km Höhe. Der Mond und somit später auch das DSG ist mit rund 384.000 km aber fast tausendmal so weit entfernt.

Sinn und Zweck der Station
Raumfahrt ist verhältnismäßig teuer kostet Geld. Steuergelder. Daher gehört die mal neugierig, mal skeptisch, mal abfällig gestellte Frage „Wozu soll das denn gut sein?“  mittlerweile schon zu den Standardreaktionen, wenn irgendwas oder irgendwer ins All geschossen wird. Beantworten wir sie also:

  1. Die ISS ist in die Jahre gekommen und kann nicht ewig weiter betrieben werden. Bisher ist 2024 das anvisierte Ende. Die Anzahl der Jahre, die da noch drangehängt werden könnten, ist gering. Allerdings gibt es weiterhin Bedarf an Forschung unter Weltraumbedingungen, so dass für einen nahtlosen Übergang Ersatz geschaffen werden soll, bevor wir die ISS aufgeben.
  2. Der Namensbestandteil „Gateway“ kommt bei der neuen Station nicht von ungefähr. Wie oben schon erwähnt, befindet sie sich sich viel weiter entfernt von der Erde (und deren Schwerkraft) als die ISS. Somit wird sie nicht nur eine Rolle als Forschungsstation erfüllen, sondern später auch als „Bahnhof“ für Missionen zum Mars und ggf. weiteren Zielen im Sonnensystem. Denn wenn man mit einem kompletten Raumfahrzeug nicht erst die Schwerkraft überwinden muss, sondern direkt im All starten kann, eröffnen sich ganz andere technische Möglichkeiten für zukünftige Missionen:

    „Alle Szenarien für Reisen zu unserem Nachbarplaneten gehen von einer Montage des Mars-Raumschiffs im Weltraum aus. Mit einem Ionentriebwerk ausgestattet, könnte es zum Beispiel von einer Mondumlaufbahn aus starten. Mit dieser Art von Antrieb benötigt man viel weniger Treibstoff als mit herkömmlichen chemischen Triebwerken. Dadurch wird die Nutzlast des Raumschiffes größer.“

    (Quelle: ESA -Koordinator und Astronaut Thomas Reiter im Interview mit der FAZ.)

  3. Hinzu kommt die Rolle der Station beim Aufbau einer internationalen Mondbasis, dem sogenannten „Moon Village„. Ein Plan, den neuerdings auch die USA (mal wieder…) ins Auge gefasst haben. Umgekehrt ist auch denkbar, das DSG für den ersten Check-Up sowie als als Quarantäneort für Rückkehrer zu nutzen. Das wäre nicht nur für bemannte, sondern auch für robotische Missionen nützlich, vor allem wenn es sich um Sample Return Missions handelt, die also Proben von anderen Himmelskörpern an Bord haben. Nimmt man sie für eine erste Analyse auf der Station in Empfang, entfiele auch zunächst das Risiko, bei der Durchquerung der Erdatmosphäre bzw. der Landung auf den letzten Metern zerstört oder kontaminiert zu werden.

Wer macht mit?
In die Planung involviert sind bisher ESA (Europa), NASA (USA), JAXA (Japan), Roskosmos (Russland) und CSA (Kanada). Allerdings hat Roskosmos erst vor wenigen Tagen eine Vereinbarung für konkrete Beiträge Russlands unterschrieben.

Geht es nach den Vorschlägen Russlands, so sollen sich später auch weitere Länder wie Brasilien, China und Indien beteiligen können. (Ob der seltsame Mensch im Weißen Haus da mitspielt, muss man allerdings bezweifeln.)

Wie sieht der Zeitplan aus?
Konkret geplant wird die Station seit ca. drei Jahren. Die Idee an sich ist allerdings fast dreimal so alt.

Die US-amerikanische Transportkapsel Orion (2) sowie die Trägerrakete „Space Launch System“ (SLS) sind bereits in Entwicklung. Mit 130 Tonnen Nutzlast übersteigt das SLS sogar die Kapazität der Saturn V um 12 Tonnen und bricht damit deren Rekord. Das SLS soll 2019 zunächst das europäische Servicemodul im Orbit platzieren. Ab 2022 folgen weitere Teile. Der eigentliche Zusammenbau beginnt mit dem PPB, danachwürde planmäßig das erste Habitat folgen.

Allerdings gibt es schon heute Probleme mit dem Zeitplan. Der erste Start des SLS sollte eigentlich bereits 2018 stattfinden, wurde aber wegen diverser Probleme auf 2019 verschoben:

„A missed delivery date for the European-made service module set to power NASA’s Orion crew capsule, snags in the welding of parts of the SLS core stage due to low weld strength, and a tornado that struck a production site in New Orleans were some of the major problems identified in a Government Accountability Office report (…).“

(Quelle: https://spaceflightnow.com/2017/04/28/nasa-confirms-first-flight-of-space-launch-system-will-slip-to-2019/ )

Ende der 2020er Jahre soll der Bau abgeschlossen sein. Für die Zeit danach ist ein Upgrade von Antrieb und Habitat vorgesehen, um dann auch eine Langzeitmission von ca. einem Jahr Dauer durchführen zu können. Diese wäre gleichzeitig ein Test für eine Marsmission unter weit realistischeren Bedingungen als dies bisher bei den sogenannten Analogmissionen auf der Erde möglich war.

Es ist also nicht a priori zu befürchten, dass wegen der Pläne für DSG und Mondstation der zunächst favorisierte Mars als Ziel in Vergessenheit geraten wird, wie es wohl für einige den Anschein hat. Im Gegenteil: Die Station ist tatsächlich, wenn alles gut läuft, sowohl strategisch als auch technisch ein erster und richtiger Schritt in Richtung Mars.

Allerdings bleibt die Frage nach der Finanzierung. Das Budget der NASA wurde seit Apollo ziemlich eingedampft, was den prozentualen Anteil am Haushalt angeht, und bei der ESA habe ich manchmal den Eindruck, dass eher einzelne Ländersüppchen gekocht werden, statt wirklich konsequent gemeinsame Anstrengungen für ein gemeinsames großes Ziel zu unternehmen. Irgendwie fehlt mir da trotz einer Reihe von interessanten Missionen etwas der Biss und auch der rote Faden. Allerdings ist mir natürlich bewusst, dass das aufgrund der ESA-Organisationsstruktur zu einem gewissen Grad unvermeidlich ist.

Das DSG wird nach meinem persönlichen Dafürhalten in absehbarer Zeit Realität werden. Beim Moon Village bin ich aber auch auf lange Sicht skeptisch, jedenfalls was die (inter)nationalen Raumfahrtagenturen angeht. Ich halte es mittlerweile für wahrscheinlicher, dass gewisse Privatinitiativen schneller sein werden, wenn auch vielleicht nicht so schnell wie sie selbst vollmundig verkünden. Desgleichen bei Reisen zum Mars.

Ich lasse mich aber gerne überraschen und eines Besseren belehren.

—-

(1) Wer sich etwas genauer über den Near Rectiliniear Halo Orbit informieren möchte, findet => hier <= einen guten Einstieg.

(2) Die Orion ist übrigens ein Überbleibsel des früheren US-Amerikanischen Mondprogramms „Constellation„. Ein Vorhaben, das unter Bush ins Leben gerufen, dann aber wegen zu großer Verzögerung und Kosten unter Obama wieder gecancelt wurde. Orion sollte eigentlich 2014 den Jungfernflug antreten. Tja…

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Iridum, ISS, Iridium

Credit: Ute Gerhardt | Dortmund, 9. Dezember 2016, 20:55 UTC+1, Skywatcher Maksutov MC 127/1500, Canon EOS 1200D, ISO 200, 1/60s. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Credit: Ute Gerhardt | Dortmund, 9. Dezember 2016, 20:55 UTC+1, Skywatcher Maksutov MC 127/1500, Canon EOS 1200D, ISO 200, 1/60s. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Im Dezember hatte ich Glück: An acht aufeinanderfolgenden Tagen war das Wetter gut genug, um den zunehmenden Mond zu fotografieren. Eine der Aufnahmen, vom 9. Dezember, zeigt im oberen Viertel den sogenannten „Goldenen Henkel“: Am Terminator, der Tag- und Nachtgrenze also, wird das bogenförmige Gebirge Montes Jura bereits von der Sonne angestrahlt, während davor die vom Gebirgszug umfasste Ebene Sinus Iridum gerade eben noch im Schatten liegt. Das ist meist am 9. Tag nach Neumond für relativ kurze Zeit der Fall; ich habe es hier gerade eben noch erwischt.

Überhaupt: Der Mond. Dieses auffällige, dicke, helle Ding ist wohl für viele angehende Astrofotografen das Erste, was sie sich vorknöpfen. Um den Mond zu erwischen, braucht man nicht zwangsläufig ein Teleskop und auch keine Montierung mit Nachführung. Man findet ihn am Himmel leicht, er ist hübsch und abwechslungsreich, und man kann ihn auch in einer Einzelaufnahme ohne Stacking und sonstiges Gedöns gut einfangen. Meine Leser wissen das – ich habe sie ja mittlerweile oft genug mit Mondaufnahmen genervt beglückt.
Aber da oben am Himmel schwirrt ja noch viel mehr herum.
Zum Beispiel Satelliten.

Im Oktober 2016 hielt Stefan Gotthold einen Vortrag zur ISS-Fotografie an der Starkenburg-Sternwarte Heppenheim. Anschaulich legte er dar, dass man diesen größten aller künstlichen Satelliten durchaus auch ohne Profiausrüstung fotografieren kann. Dabei kann man die ISS entweder mit großer Brennweite schrittweise bei einem Transit vor Mond oder Sonne ablichten, so dass sie als Silhouette vor dem Himmelskörper erkennbar ist. Alternativ kann man auch mit kleiner Brennweite die Lichtspur bei ihrem Überflug festhalten. Zusammengesetzt aus vielen Einzelaufnahmen mit jeweils einem Teil der Spur, sieht man auf dem fertigen Komposit am Ende genau, wo die ISS entlang geflogen ist. Ich hatte schon zuvor davon gehört, und mich reizte die Idee, dass nicht nur die Crew der ISS Fotos diverser Gegenden von oben schießt, sondern auch umgekehrt die Bewohner der Städte und Dörfer ihrerseits die ISS fotografieren. Nach einem Blick auf heavens-above.com stellte ich schnell fest, dass ein Transit an meinem Wohnort erst wieder Mitte Januar 2017 vorkommen würde. (Aber fragen Sie jetzt bitte nicht, zu welch unmöglicher Uhrzeit…) Reine Überflüge zu geeigneten Zeitpunkten gab es allerdings doch einige. Als dann im Dezember auch endlich das Wetter wieder mitspielte, versuchte ich es.

Credit: Ute Gerhardt | ISS über Dortmund, 19. Dezember 2016, 18:14 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 5s, Komposit aus 39 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Credit: Ute Gerhardt | ISS über Dortmund, 19. Dezember 2016, 18:14 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 5s, Komposit aus 39 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Im Gegensatz zum Mond muss man hier allerdings schon im Voraus wissen, welchen Teil des Himmels man später fotografieren wird. Die Kamera erst beim Erscheinen der ISS auszurichten, funktioniert nicht, denn die Raumstation ist nur sehr wenige Minuten lang sichtbar. Man würde sie sonst verpassen. Wenn man die Himmelsrichtungen kennt, ist das allerdings kein Problem. Die ISS fliegt immer von westlicher in östliche Richtung über uns hinweg, und die genaueren Details nennt uns das schon verlinkte Tool „Heavens Above“. Bei kurzer Brennweite ist die Wahrscheinlichkeit doch ziemlich groß, dass man das richtige Areal abdeckt. Vorausgesetzt, man hat auch die richtige Höhe eingestellt, denn die kann beim Überflug doch ziemlich variieren.

Nun habe ich zwar ein Stativ mit Drei-Wege-Neiger, der mir auch Rektaszension und Deklination anzeigt, aber mit der Software (APT) und dem Fernauslöser hatte ich zunächst zu kämpfen, denn ich hatte noch nie zuvor schnell aufeinander folgende Serienaufnahmen gemacht. Der erste Versuch funktionierte zwar, aber die Aufnahmen waren leicht unscharf und lagen zeitlich zu weit auseinander. Dadurch ergaben sich beim fertigen Komposit große Lücken in der Lichtspur der ISS. Vorzeigbar war eigentlich erst der vierte Versuch, ohne APT, der oben zu sehen ist. (An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Michael Khan vom Go-for-Launch-Blog für seine geduldige Fehleranalyse und Hilfe.)

Aber was sieht man da nun eigentlich? Es ist nicht, wie von einigen auf Twitter und Facebook vermutet, die Bordbeleuchtung der Raumstation, sondern es handelt sich auch hier, wie beim Mond, um reflektiertes Sonnenlicht. Die Bordbeleuchtung der ISS ist viel zu schwach, um auf Fotos sichtbar zu werden. Ihre Sonnenkollektoren hingegen bieten eine hervorragende Fläche für Reflexionen. Nun ist die ISS wie gesagt ziemlich groß, mit ihren 450 Tonnen Gewicht und 108 Metern Länge. Was ist mit kleineren Satelliten? Kriegt man die auch aufs Bild?

Es kommt drauf an. Wenn der jeweilige Satellit Flächen hat, die das Sonnenlicht ebenfalls gut reflektieren, dann stehen die Chancen gut, zumindest seine Reflexion zu fotografieren. (Den Satelliten beim Transit als Silhouette abzulichten, wie bei der ISS, dürfte hingegen für Amateure extrem schwierig werden.) Prima geeignet sind zum Beispiel die jeweils nur wenige Hundert Kilogramm schweren Iridium-Satelliten mit ihren Antennen. Letztere bestehen aus Aluminium, sind mit Teflon beschichtet und funktionieren als Spiegel so gut, dass ihre Lichtspuren von der Erde aus betrachtet zigfach heller als die Venus erscheinen können. Allerdings dauert dieses Schauspiel nur wenige Sekunden. Auf der anderen Seite gibt es aber über 60 dieser Satelliten und sie haben eine kurze Umlaufzeit. Aufgrunddessen kann man an ein und demselben Ort oft mehrere Flares pro Tag beobachten und fotografieren.

Credit: Ute Gerhardt | Iridium-Flare über Dortmund, 06. Januar 2017, 19:03 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 13s, Komposit aus 5 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Credit: Ute Gerhardt | Iridium-Flare über Dortmund, 06. Januar 2017, 19:03 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 13s, Komposit aus 5 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Genau das habe ich gestern erstmals ausprobiert. Da es sich im Prinzip um dasselbe Vorhaben handelt wie bei der ISS, ging ich beim Iridium-Flare auch technisch ganz ähnlich vor: Die Kamera wird vorab auf die passenden Koordinaten ausgerichtet, die Belichtungszeit beträgt einige Sekunden. In diesem Fall hatte ich allerdings 13 statt 5 gewählt, in der Hoffnung, den gesamten Flare auf eine einzelne Aufnahme bannen zu können. Drei Dinge stellten sich dabei heraus:

1. Ich hätte schon eher mit der Serienaufnahme anfangen müssen, denn erstaunlicherweise war der gestrige Flare über Dortmund (19:03 UTC+1) fast 50 Sekunden lang sichtbar. OK, ich wohne in einer relativ dunklen Gegend, aber damit hatte ich nicht gerechnet.
2. Meine Dachrinne passt farblich und stilistisch nicht in die Komposition.
3. Germanwings Flug 4U4062 DTM-MUC startete gestern mit 20 Minuten Verspätung.

Dummerweise war der A319 auf genau den zwei Aufnahmen mit drauf, die das Zentrum des Iridium-Flares erfasst hatten. Ich habe erst noch überlegt, ob ich seine Lichtspur aus dem Bild schneiden kann, musste dann über dieses Photobombing aber so grinsen, dass ich die Aufnahmen einfach so ließ. Better luck next time.

In diesem Sinne: Frohes neues Jahr und Clear Skies!

Nachtrag, 18.01.2017: Michael Khan weist in seinem Blog darauf hin, dass die aktuelle Generation von Iridium-Satelliten nun nach und nach außer Betrieb genommen und bis Mitte 2018 durch modernere Exemplare mit neuem Design ersetzt wird. Diese produzieren keine Flares mehr.

Septembermond

Längere Zeit hatte ich mein 127/1500er Maksutov-Cassegrain nicht zur Verfügung. Das kleine 70/400er Reiseteleskop ist zwar auch nett, aber bei Fotos nicht so recht zufriedenstellend. Und für das 200/1000er Newton fehlt mir noch die passende Montierung.

Heute Abend war es aber wieder soweit: Ich besitze wieder ein MC, ein schöner Mond stand am Himmel, und endlich hatte ich mal wieder Freizeit zur passenden Uhrzeit:

Mond, Dortmund 09.09.2016, 20:11h UTC+2, Skywatcher MC 127/1500, Canon EOS1200D, ISO 6400, 1/1000s

Mond, Dortmund 09.09.2016, 20:11h UTC+2, Skywatcher MC 127/1500, Canon EOS1200D, ISO 6400, 1/1000s

Als ich als Kind das erste Mal mit dem Fernglas den Mond anschaute, kam ich mir vor wie auf einer Reise. Das hat sich bis heute nicht geändert, und die Reise wird mit jedem Objekt, das ich im Teleskop betrachte, noch spannender…

Der Mond ist aufgegangen…

Vergangene Nacht nämlich.

Mond, Dortmund, 28.02.2016, 01:18, MC 127/1500, EOS 1200D, ISO 200, 1/40s

Mond, Dortmund, 28.02.2016, 01:18, MC 127/1500, EOS 1200D, ISO 200, 1/40s,
Kamera gesteuert via APT
Credits: Ute Gerhardt

Die vergrößerte Live-Vorschau des APT macht sich durchaus als vorteilhaft bemerkbar. Statt des winzigen Kamera-Displays hat man einen guten Teil des Laptop-Bildschirms zur Verfügung. Gerade bei nicht so gutem Seeing kann man damit einen der besseren Momente abpassen. Obendrein erlaubt es die Software, sämliche Einstellungen wie ISO, Belichtungszeit etc. am Rechner vorzunehmen, und sie fungiert zudem noch als Fernauslöser. Somit kann man die Kamera im Grunde berührungsfrei handhaben, wenn man will.

Zwischendurch

Mit dem Mond klappt’s mittlerweile auch schon besser. Bei der EOS 5D bin ich zwar immer noch auf das APT als Fernauslöser angewiesen, und das hat so seine Tücken *), aber mit der Zeit bekommt man ja Übung.

Mond, Dortmund, 26.10.2015, 21:37 h UTC+1, Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D Mark II, ISO 1600, 1/2500s

Mond, Dortmund, 26.10.2015, 21:37 h UTC+1, Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 5D Mark II, ISO 1600, 1/2500s

Der Himmel war an diesem Abend schön klar, das Seeing aber nicht so toll. Ich habe also mit den Einstellungen herumexperimentiert und ISO-Zahl und Belichtungszeit so lange gegeneinander ausgespielt, bis das Gewaber fast eliminiert war.

Wünschen würde ich mir, einmal von jedem Tag eines Mondzyklus ein gutes Foto hin zu bekommen und daraus eine Art Poster zu basteln.
Ja. Ich weiß. Dazu müsste ich wohl auf den Mount Everest. Und noch viel lernen. ;-)
——–
*)
1. Nach jedem Foto muss man im APT erst wieder auf das Live-View der Kamera umstellen – und dann wieder zurück, um wieder in die Live-Vorschau des APT zu kommen. Dadurch verliert man etwas Zeit.
2. Bei jeder Umstellung von Live-View an der Kamera auf Vorschau im APT (denn beides gleichzeitig geht nicht) werden allerdings Belichtungs- und ISO-Werte wieder auf die Maximalwerte der jeweiligen Kamera zurückgesetzt. Das ist extrem lästig, denn dadurch verliert man noch mehr Zeit.
3. Der Zoom der APT-Vorschau ist recht langsam.
4. Wie schon in einem Kommentar zu einem anderen Beitrag bemerkt: APT zeigt mir die voraussichtliche spätere Aufnahme in Gänze, bei ca. 10% der eigentlichen späteren Bildgröße. Um die Aufnahme bzw. die Vorschau im Live View am Rechner scharf zu stellen, muss ich mir den Ausschnitt des Gesichtsfeldes, der das anvisierte Objekt enthält, mit 100% oder wenigstens 50% der tatsächlichen Bildgröße auf den Bildschirm zoomen, sonst sehe ich ja die Kanten des Objekts gar nicht. Das hat aber natürlich ungefähr denselben Effekt, als hätte ich bei der visuellen Beobachtung von z. B. einem 32er auf ein 10er Okular gewechselt. Die Folge: Das Objekt läuft mir mit rasender Geschwindigkeit aus dem Bildausschnitt des Preview.

Dennoch muss ich zugeben, dass ich die große Vorschau des APT durchaus zu schätzen weiß. Dass ich noch keine Montierung mit Nachführung habe, ist ja meine eigene Schuld. Für Beobachtungen in der freien Wildbahn, statt auf dem Balkon, wäre das APT bzw. der dafür notwendige Laptop allerdings etwas umständlich.

Mal wieder in den Mond geguckt

Ein brandneues Teleskop und eine geliehene, unvertraute Kamera, obendrein ewig nicht mehr „manuell“ fotografiert… Na prost Mahlzeit, das kann ja eigentlich nur ein Desaster werden. Dachte ich. Ganz so schlimm wurde es dann aber doch nicht:

Mond_20150926
Mond, Dortmund, 26. September 2015, 22:35 Uhr, Skywatcher Maksutov Cassegrain 127/1500, Canon EOS 400D, f/11,8 bei ISO 200 und 1/320s.

Das Seeing war überraschend gut und das Teleskop samt Kamera bei der Aufnahme gründlich an die Außentemperatur angepasst. Das obige Bild ist aus dem RAW-File generiert, auf 50% verkleinert und natürlich komprimiert, ansonsten aber unverändert.

Zwei Probleme muss ich vor der Mondfinsternis noch lösen:

1) Die EOS 400D hat kein Live View, also klebe ich im Stockdustern – natürlich ohne meine Brille – mit dem Auge am winzig kleinen Sucher. Den hatte ich mir zwar bei Tag schon auf meine Dioptrienzahl eingestellt, aber so ganz haut das wohl doch nicht hin. Und so muss ich nun beim Fokussieren versuchen, dieses Defizit auszugleichen und quasi „blind“ scharf zu stellen. Das ist hier noch nicht gut gelungen. (Sterne anzuvisieren hat mit diesem Sucher übrigens noch überhaupt nicht geklappt. Ich kann sie in diesem winzigen Fensterchen schlicht und ergreifend nicht erkennen.) Eins steht also schon fest: Gekauft wird auf jeden Fall eine Kamera mit Live View, am besten noch mit ausklappbarem und schwenkbarem Display. Mein Limbo hinter der 400D ist für Zuschauer sicher ein phantastischer Quell der Erheiterung, aber einen Genickbruch möchte ich für ein Hobby nun doch nicht riskieren. ^^

2) Die Quelle der Verwacklungen ausfindig machen. Auch die Kombination Fernauslöser + verzögertes Auslösen hat (wie man oben rechts im Bild gut sieht) nicht ausgereicht, um alle Schwingungen auszuschalten. Die Fotos mit höherer Belichtungszeit als 1/200s kann man allesamt vergessen. Das ist ein bisschen blöd, denn einen verfinsterten Mond kann ich so nicht gut aufnehmen, und mit höherer ISO-Zahl wird’s wahrscheinlich zu körnig. Versuchen werde ich es natürlich dennoch.

Fazit: So richtig zufrieden bin ich mit dem heutigen Ergebnis nicht. Ob das nun eher an der Kamera liegt oder eher an mir (was ich sehr befürchte… ähem) muss sich noch heraus stellen. Eine Weile werde ich noch mit der 400D herum experimentieren. Als Nächste wird dann in ein paar Wochen eine 1200D ausprobiert. Zunächst hoffe ich jetzt allerdings auf gutes Wetter für Montagmorgen. Am liebsten so klasse wie gerade eben.