SpiderFab

Egal, ob man Satelliten plant, eine Mondbasis oder eine Raumstation: Der Transport zum jeweiligen Zielort ist jedesmal ziemlich aufwändig. Handelt es sich um relativ kleine und leichte Dinge, kann man sie auf der Erde zusammenbauen und anschließend in einem Stück am geplanten Ort aussetzen. Verteilt auf nur wenige Meter sind die rund 3.000 Kilo, die z. B. ein Kommunikationssatellit wie Artemis üblicherweise wiegt, kein allzu großes Problem.

Bei komplexeren Konstruktionen wie einer Raumstationen wird es weit schwieriger. Die ISS beispielsweise hat ein Gesamtgewicht von 420.000 Kilogramm und eine Spannweite von 108 Metern. Es hätte Unmengen an Treibstoff und bisher noch gar nicht existente Transportsysteme erfordet, um sie in einem Stück ins All zu transportieren. Von der Gefahr, dass sie dabei durch die einwirkenden Kräfte beschädigt worden wäre, ganz zu schweigen. Man hat daher die einzelnen Module auf der Erde produziert, nacheinander ins All geschafft und dort oben zu einem Ganzen zusammengefügt.

Enorme Ersparnisse

Bisher müssen diese Module (aber auch Satelliten etc.) so konzipiert werden, dass sie sich für den Transport eignen und gegebenenfalls temporär verkleinern lassen. Das kostet nicht nur mehr Zeit, Material und Geld, es macht diese Teile auch anfälliger für Fehlfunktionen und Verschleiß und schränkt sie unter Umständen sogar in der Leistungsfähigkeit ein. Auch der Zusammenbau an sich erfordert oft große Mühen und aufwändige Außenbordaktivitäten der Astronauten.

Viel effizienter, aber bisher wegen der Bedingungen im All so gut wie nicht zu realisieren, wäre der Transport der Materialien und die anschließende Produktion direkt vor Ort. Dies ist nun das Ziel eines neuen, von der NASA mit einer halben Million Dollar unterstützten Projekts: SpiderFab.

SpiderFab. Quelle: Tethers Unlimited

SpiderFab. Quelle: Tethers Unlimited

Es basiert auf Robotern, die die einzelnen Materialien im All in Empfang nehmen sollen und mittels u. a. der 3D-Drucktechnik daraus an Ort und Stelle viele der Dinge bauen, die man bis jetzt nur wesentlich kleiner konzipieren und auch nur als Bauteile in den Orbit schaffen konnte. Möglich wären laut Tethers Unlimited zum Beispiel „multi-hundred-kilowatt solar arrays, large solar sails, and football-field sized antennas“. Wie space.com berichtet, ist der eigentliche Traum hinter dem Projekt allerdings noch etwas ambitionierter:

„Our really long-term objective for all of this work is to eventually enable the use of in-situ resources to construct the infrastructure in space needed to support humanity’s expansion throughout the solar system.“ (Robert P. Hoyt)

Die Vorteile liegen auf der Hand: Auf diese Art fabrizierte Teile wären nicht nur auf längere Sicht preiswerter, ihre Bauweise wäre auch für die Bedingungen an ihrem Einsatzort optimiert, ohne dabei Kompromisse für den Transport eingehen zu müssen. Darüber hinaus könnte man sie bei Bedarf direkt vor Ort neu konfigurieren oder reparieren und man könnte sie auch größer konstruieren als es bisher der Fall war. Bei z. B. Solarpanels, Antennen oder auch Teleskopen wie Hubble ist gerade die Größe für die Leistungsfähigkeit ganz entscheidend. Mit Hilfe einer von SpiderFab gebauten Riesenantenne könnten wir die Signale von interstellaren Sonden wie Voyager evtl. noch viele Jahre länger verfolgen als mit heute zur Verfügung stehenden Mitteln.

Tethers Unlimited setzt bei der Produktion hauptsächlich auf einen Ansatz, den sie „Satellite Chrysalis approach“ nennen. Statt einer Art Weltraumfabrik, die mehrere Exemplare eines Produktes herstellt und dann verteilt, will Tethers die Systeme wie z.B. Antennen sich Schritt für Schritt selbst produzieren lassen. Das hätte den Vorteil, dass man das fertige Produkt nicht erst wieder vom Produktions- an ihren eigentlichen Einsatzort transferieren müsste. SpiderFab würde an Ort und Stelle zunächst ein netzähnliches Grundgerüst herstellen und dieses nach und nach mit den einzelnen weiteren Komponenten verstärken und komplettieren. Bisher ist SpiderFab seiner Zeit aber ein klein wenig voraus. Heutige 3D-Drucker sind schlicht noch nicht schnell genug, um große Strukturen in akzeptabler Zeit herzustellen. Eine Kombination aus 3D-Druck und sogenanntem „Automated Fiber Layup“, einer Materialschichtungstechnik, soll hier Abhilfe schaffen.

Problematik Druck im All

3D-Druck in Abwesenheit von Schwerkraft ist jedoch nicht ganz unproblematisch. Zwar kann man in alle Richtungen drucken, ohne wie auf der Erde die dabei frei stehenden Teile oder Hohlräume stützen zu müssen. Ohne Schwerkraft verbinden sich Materialschichten aber gegebenenfalls anders oder gar nicht miteinander. Auch Strahlung, UV-Licht, Kühlung und generell Temperaturschwankungen in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung sind ein Problem. Hier muss man also gegensteuern und ausgleichen: „In the SpiderFab implementations we propose to use additives or coatings in the fiber-reinforced thermoplastics to cold-bias the materials and minimize their thermal fluctuations under different insolation conditions, and use contact, radiative, and/or microwave heating to form and bond these materials.“ [1] Einige wenige Präzisionskomponenten soll SpiderFab fürs Erste noch aus irdischer Produktion übernehmen und integrieren.

Manche Weltraum-Aficionados wie z. B. Citizens In Space ziehen gar die Möglichkeit in Betracht, dass SpiderFab sich auch des Weltraumschrotts bedienen und diesen beim Bau neuer Konstruktionen recyclen könnten. Damit würden gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der gefährliche Schrott würde endlich reduziert, die zum großen Teil teuren Rohstoffe würden wiederverwendet, und obendrein würde man sich weitere Materialtransporte ersparen.

Unabhängig davon sind die ersten Schritte und Produkte des SpiderFab jedoch auf Teile begrenzt, mit deren Herstellung man schon genug Erfahrung hat, um auf aufwändige Tests vor dem Einsatz zu verzichten. Zwar ist es durchaus denkbar, hergestellte Teile im Fall einer Fehlkonstruktion auch wieder zu recyclen und von vorne zu beginnen, aber dies wäre mit weiteren Kosten und Zeitverlusten verbunden. Eventuell wäre damit der Einsatz von SpiderFab gegenüber der herkömmlichen Methode nicht mehr zu rechtfertigen. Um tatsächlich wie erhofft ein ganzes Raumschiff direkt im Orbit zu bauen, muss SpiderFab jedenfalls zunächst einen enormen Erfahrungsschatz aufbauen – wahrscheinlich über Jahrzehnte.

Zeitplan

SpiderFab-Zeitplan, Quelle: Tethers Unlimited

SpiderFab-Zeitplan, Quelle: Tethers Unlimited

Zum Einsatz kommen soll SpiderFab um das Jahr 2024, zunächst mit der Produktion von z. B. Kleinstsatelliten. In der Zwischenzeit wird sich Tethers Unlimited, wie links auf dem Zeitplan zu sehen, Schritt für Schritt an die neue Produktionstechnik herantasten.

Es bleibt abzuwarten, welche Fortschritte in den nächsten 10 Jahren noch bei den Produktionsmethoden oder auch bei den Steuerungsmöglichkeiten gemacht werden. Unter Umständen stehen bis dahin Drucker, Roboter und Software zur Verfügung, von denen das Unternehmen im Moment nur träumen kann.

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[1] Robert P. Hoyt, Jesse I. Cushing et al.: „SpiderFab: An Architecture for Self-Fabricating Space Systems“, Tethers Unlimited, Inc., Bothell WA, 98011, USA / American Institute of Aeronautics and Astronautics, S. 5

SpiderFab Präsentation: http://livestream.com/viewnow/NIAC2015/videos/75183704

Kirobo & Mirata

Er ist 34 cm klein, wiegt ungefähr ein Kilo und spricht nur Japanisch: Kirobo, das im Wortsinn jüngste Crewmitglied der ISS – ein puppengleicher Roboter mit einem insektenähnlichen Gesicht. Seit dem 21. August befindet er sich an Bord der Station, und am 4. September 2013 hat er seine erste Rede gehalten:


Der humanoide Kirobo und sein baugleiches, irdisches Kontrollobjekt „Mirata“ entstanden in Kollaboration des „Research Center for Advanced Science and Technology“ der Universität Tokio mit den Firmen Robo Garage, Toyota, Dentsu und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Optisches Vorbild war die Figur des Tetsuwan Atomu („Astro Boy“), ein bekannter japanischer Manga-Held.

Zieht man in Betracht, dass an Bord eines jeden Raumfahrzeuges die Nutzlast und erst recht die privaten Habseligkeiten der Astronauten stark limitiert sind, fragt man sich unwillkürlich, wieso in einer Raumstation plötzlich derartige scheinbare Spielzeuge auftauchen? Die Antwort ist ebenso einfach wie erstaunlich: Kirobo ist als Gesellschafter und Assistent für Koichi Wakata gedacht. Letzterer wird gegen Ende des Jahres Kommandant der ISS werden und gleichzeitig das einzige Japanisch sprechende Crewmitglied sein. Kirobo, dessen Name vom japanischen Wort „kibō“ („Hoffnung“) abgeleitet ist, wurde darauf programmiert, Wakatas Gesicht zu erkennen, mit ihm Konversation zu betreiben, ihm Nachrichten von der Bodenstation zu übermitteln und dergleichen mehr. Unter anderem wird er auch in der Lage sein, Probleme mit elektronischen Komponenten der ISS zu analysieren. Ziel ist es, herauszufinden, ob derartige Roboter den Astronauten neben rein technischer auch psychologische Unterstützung bieten können.

Diese Idee ist an sich nicht neu. Isolation, sei sie nun räumlich oder auch durch Alter oder ein Handicap bedingt, kann rasch zu Depressionen führen. Seit vielen Jahren zeigen Litaratur bzw. Filme wie „I, Robot“, „AI – Artificial Intelligence“ oder auch nur der gute alte Commander Data in „StarTrek: TNG“, dass Menschen schon lange davon träumen, sich elektronische Gesellschafter zu erschaffen, die sie ganz auf ihre Bedürfnisse einstellen können. Bereits 1993 stellte das japanische National Institute of Advanced Industrial Science den „Kuschelroboter Paro“ für ältere Mitbürger vor. Längst kennen wir Furbies, „My Real Baby“, Tamagochis und AIBO als Spielzeuge, die Leben simulieren. Ein zusätzlicher Blick auf Webseiten wie http://www.robotcompanions.eu/ oder Berichte wie dieser über Wakamaru, einen von Mitsubishi entwickelten „Gesellschaftsroboter“, belegen eindrücklich, dass wir insgesamt schon erstaunlich weit gekommen sind, was Roboter als Menschenersatz anbetrifft.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Roboter können nach Belieben in und außer Betrieb genommen werden. Sie haben bei guter Verarbeitung mehr Kraft als ein Mensch, stellen keine Ansprüche und haben – auch wenn das zynisch klingen mag – keine Menschenrechte. Für Konversationen könnte man sie bei Bedarf quasi über Nacht mit neuen Fachgebieten „füttern“, so dass prinzipiell keine Langeweile aufkommen dürfte. Selbst eigenständiges Lernen ist für Roboter inzwischen kein Problem mehr. Bei Weltraumeinsätzen kommt noch hinzu, dass Roboter wie Kirobo wesentlich weniger Platz wegnehmen als ein Mensch. Man kann sie einfacher vor Strahlung schützen und sie benötigen weder Sauerstoff noch Schlafpausen, solange genug Energie zur Verfügung steht.

Ob allerdings auf die Dauer lebend erscheinende Objekte die gleiche Rolle ausfüllen können wie tatsächlich lebende Menschen oder Tiere, die auch von sich aus echte Empathie und Interesse bekunden können, ist fraglich. [1], [2] Vgl. auch => hier. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Kirobo-Projektleiter jene und vergleichbare Studien längst kennen – und somit auch die Limits ihres Vorhabens.

Allerdings würde sich diese Frage im Fall der ISS-Besatzung vermutlich auch erst dann stellen, wenn ein einzelner Mensch über einen längeren Zeitraum ohne adäquaten menschlichen Ansprechpartner auskommen müsste. Die Missionen auf der ISS dauern üblicherweise aber jeweils nur wenige Monate. Hinzu kommt, dass Wakata weder völlig alleine auf der Raumstation sein wird, noch ist er außerstande, sich mit seinen Teamkollegen zu verständigen. In Anbetracht der Anforderungen und des für Raumfahrer üblichen Trainings dürften die Englischkenntnisse des gesamten Teams völlig ausreichend sein, um Einsamkeit zu vermeiden. Insofern kann der Versuch mit Kirobo und Kommandant Wakata wahrscheinlich nicht viel mehr als an der Oberfläche der Problematik kratzen. Nichtsdestotrotz wird der kleine Roboter dort oben aber sicherlich für Kurzweil und nicht zu verachtende Arbeitserleicherung sorgen. Wenn ich es mir also recht überlege… Ich hätte auch gerne einen! ^^

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[1] Sherry Turkle: „A Nascent Robotics Culture: New Complicities for Companionship“, MIT, Cambridge, Massachusetts, 2006
[2] Sherry Turkle: Relational Artifacts/Children/Elders: The Complexities of CyberCompanions, MIT, Cambridge, Massachusetts, 2005

Kurz & Knapp – KW 22/2013

Unter der Rubrik „Kurz & Knapp“ finden sich Hinweise und Links auf Meldungen und Webseiten, die mir nebenbei auffallen, aber auf die Schnelle keinen eigenen Blogeintrag hier erhalten. Sei es, weil mir die Zeit fehlt, sei es, weil sie am besten für sich selbst stehen oder das Thema Raumfahrt eher am Rande betreffen:

Kurz & Knapp – KW 18/2013

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  • http://www.sciencedaily.com/releases/2013/04/130426115659.htm
    „A NASA-funded sounding rocket mission will launch from an atoll in the Pacific in the next few weeks to help scientists better understand and predict the electrical storms in Earth’s upper atmosphere. These storms can interfere with satellite communication and global positioning signals.“

Kurz & Knapp – KW 14/2013

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Kurz & Knapp – KW 13/2013

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  • http://www.dlr.de/dlr/presse/desktopdefault.aspx/tabid-10172/213_read-6357/year-all/
    Zur Marsforschung in der Wüste

  • http://detektor.fm/kultur/forschungsquartett-himmel-auf-erden-forscher-simulieren-mars-mission/
    Forschungsquartett: Himmel auf Erden: Forscher simulieren Marsmission (Podcast mit Volker Maiwald)

  • http://herocomplex.latimes.com/science-2/lizard-robot-mars/
    Engineers at the Georgia Institute of Technology reportedly came up with a robot whose appendages were inspired by lizards (as opposed to, say, the Hoth walkers from “The Empire Strikes Back,” which were obviously inspired by elephants).  The legs of the bot are designed to scamper over — not wade through — sand.

  • http://geekscologne.mixxt.de/networks/events/show_event.74093
    Vortragsabend „Lichtjahre voraus – Weltraumforschung in Köln“ am 24. April in der Stadtbibliothek Köln, Josef-Haubrich-Hof 1, mit Dr. Stephan Ulamec (Systemingenieur / Projektleiter des Rosetta Landers beim DLR) , Dr. Jens Hauslage (Forscher am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR) und Dr. Hans Bolender (Leiter der Abteilung „Astronautentraining“ des European Astronaut Centre der ESA)

  • http://futurezone.at/future/14952-rekordflug-zu-raumstation.php
    Die Raumfahrt hat drei neue „All-Stars“. So schnell wie noch nie erreichen drei Männer aus Russland und den USA an Bord einer Sojus-Kapsel die Internationale Raumstation (ISS): Statt zwei Tagen brauchen sie keine sechs Stunden.